Austellungen/Events

zeche helene, 1965

grube caerau, 1966

zeche neu-iserlohn, bochum-werne, 1963/64

17.9.2002 - 6.1.2003
Fotografische Positionen
Bernd und Hilla Becher

"The question if this is a work of art or not is not very interesting for us.Probably it is situated in between the established categories.Anyway the audience which is interested in art would be the most open-mindedand willing to think about it."   (Carl Andre in Artforum, 1972)

"Man muss diese Dinge sehen lernen, um sie recht zu sehen" - schrieb Wend Fischer, als Die Neue Sammlung im Jahre 1967 mit über 200 Exponaten die erste große Werkschau von Bernd und Hilla Becher in München zeigte - unter dem Titel "Industriebauten 1830-1930". Damals wurden die Arbeiten des Künstlerpaares als "fotografische Dokumente aus einem Grenzgebiet der Architektur" betrachtet und - unter Vorwegnahme späterer Systematisierungen - bereits nach Motivgruppen geordnet: Fördertürme von Bergwerken, Gasbehälter, Kalköfen, Wassertürme, Fachwerkbauten und seriell produzierte Wohnhäuser, Aufbereitungsanlagen, Hochöfen ...

Damit war jene stringente Methodik entstanden, nach der Bernd und Hilla Becher fortan ihre Fotografien zu gliedern pflegten - bis heute sowohl einer Typologie der Konstruktion als auch einer Typologie der fotografischen Ansicht folgend:
Grundformen und Abweichungen, Ähnlichkeiten und Differenzen - frontal, im Profil, perspektivisch. Eine zusätzliche Variante bildet der Rundgang, wie etwa die Gruppe "Sternbuschweg 362 (8 Ansichten eines Hauses)" von 1972 hier in der Ausstellung demonstriert.

"... eine optische Pilgerfahrt zu den Quellen der Industrie."   (Pierre Restany, 1968)

Seit den späten 50er Jahren haben Bernd und Hilla Becher (geb. 1931 in Siegen, geb. 1934 in Potsdam) Europa und Nordamerika bereist und eine quasi enzyklopädische Anthologie - ein fotografisches Inventar - industrieller Nutzbauten und "Großgeräte" (Bernd Becher) geschaffen. Mit quasi wissenschaftlicher Akribie folgen sie dabei einer äußerst sachlichen, objektivierenden Bildsprache. Die isoliert hervortretenden Motive - aus leicht erhöhtem Standort aufgenommen - erscheinen entrückt und real in einem. Ihre statische Optik evoziert eine plastische, magische Dingpräsenz, während die technischen Funktionen nachvollziehbar und zugleich ästhetisch erfahrbar sind.
Die Bildsequenzen von Hilla und Bernd Becher repräsentieren eine komplexe Verschmelzung von fotografischer Raffinesse, technischer Präzision, kulturhistorischer Zeugenschaft und künstlerischer Strategie.

Die Ausstellung von 1967 reiste anschließend durch Europa und in modifizierter Version auch nach San Francisco und Los Angeles. Die Arbeiten der Bechers fanden seitdem nicht nur im Rahmen der Dokumentarfotografie höchste Beachtung und Anerkennung. Die seriellen Montagen "anonymer Skulpturen" wurden in der Nähe von Minimal Art und Konzept Kunst angesiedelt. Aus dem ursprünglichen "Foto-Archiv von Industriebauten" entwickelte sich eine fotografische Kunstrichtung, die bis heute mehrere Generationen geprägt hat. 1976-1996 wirkte Bernd Becher als Professor für Fotografie an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf: zu seinen Schülern zählen etwa Candida Höfer, Andreas Gursky, Axel Hütte, Thomas Ruff, Petra Wunderlich, Thomas Struth.

"Wir haben nicht die Absicht, aus alten IndustriegebäudenReliquien zu machen, aber wir möchten eine einigermaßenlückenlose Kette der unterschiedlichen Erscheinungsformenherstellen."   (Bernd & Hilla Becher, 1969)

Nicht zufällig setzte die Rezeption der Bechers im Bereich der Kunst zu einem Zeitpunkt ein, als sich in diesem Umfeld der Blick für die Dinge des Alltags wandelte und der veränderte Umgang mit dem scheinbar banalen Industrieprodukt vielfach in prozeßhafte, konzeptuell oder seriell ausgerichtete künstlerische Inszenierungen mit einfloss. Die Fotografien von Bernd und Hilla Becher geben den Dingen ihre Aura zurück. Erst in der Aufhebung der gewohnten Wahrnehmung kann der Gegenstand eine ästhetische Gestaltqualität gewinnen, die gemeinhin übersehen wird.

Im Rahmen der ersten gemeinsamen Ausstellung aller vier die Pinakothek der Moderne bildenden Museen versteht sich dieser Rückgriff nicht nur als Hommage an zwei große Künstler, deren internationale Rezeption vor 35 Jahren mit einer exemplarischen Gesamtschau ihres Werkes in der Neuen Sammlung begann, sondern auch als Zeichen der Neuen Sammlung für eine Position des Themas Fotografie innerhalb eines Museums für Kunst, Graphik, Architektur und Design.