22.3. – 2.6.2002
Hans Hansen Sachfotografie
"Je einfacher ein Foto ist, desto besser für eine gute Idee." (Hans
Hansen)
Es gibt berühmte Philosophen, die sich in ihren Schriften besonders der Welt der Dinge gewidmet haben, ihren spezifischen Wesenheiten und ihrer stillen Existenz. Und es gibt berühmte Fotografen, die sich dem Bild der Dinge verschworen haben, ihrer verborgenen Ästhetik und geheimnisvollen eigenwilligen Präsenz.
Einer von ihnen ist Hans Hansen (geb. 1940) – einer der bedeutendsten zeitgenössischen Produkt- und Sachfotografen in Deutschland – und bereits ein Klassiker seines Metiers.
Für namhafte Auftraggeber – wie etwa für Sony, Bulthaup, American Express, Lufthansa, Vitra, Fiat, Perrier, Erco, Daimler Benz, Volkswagen und Porsche, Kodak, Joop, Jil Sander und viele andere – gilt das Hamburger Atelier von Hans Hansen als eine der führenden Adressen in der Profi-Szene. Seine Aufnahmen erscheinen in den großen Zeitschriften und Magazinen, von Geo über Harpers Bazaar, Stern, Vogue, Zeit, Max bis zu Feinschmecker, Architektur & Wohnen und so weiter, sowie in zahlreichen Foto-Fachzeitschriften. Daneben publiziert Hans Hansen mit Passion Kochbücher von hohem optischem Reiz. Seit einigen Jahren widmet er sich wieder verstärkt der freien Studiofotografie.
Hans Hansen ist Mitglied des Art Directors Club (ADC), berufenes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPH) und Ehrenmitglied des Bundes Freischaffender Fotodesigner (BFF). 1997 erhielt er den Karl-Schneider-Preis der Stadt Hamburg.
Nach einer Lithographenlehre studierte Hansen Ende der fünfziger Jahre Grafik an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof. Walter Breker. Fotografie stand dabei jedoch nicht auf dem Lehrplan. Diese erschloß er sich auf eigenem Wege – unter anderem durch die Begegnung mit modernem Design – und machte sich mit 22 Jahren selbständig: als Fotograf.
Inzwischen hat seine Art, die Dinge zu sehen, Schule gemacht. Zahlreiche Produkte sind unauslöschlich mit von ihm geschaffenen Bildern verknüpft. Selten verschmelzen dingliche Qualität des Gegenstandes und ästhetische Aussage in der Fotografie so vollkommen, selbstverständlich, unprätentiös und doch sinnlich wie in den Sachaufnahmen von Hans Hansen."Fotografieren mit grafischen Mitteln" hat er seine Methode der kalkulierten Zurückhaltung und strategischen Reduktion einmal genannt – Zeichnen mit Licht."Er hat eine Bildsprache entwickelt, die durch Auflösung und Abstraktion immer neue Sichten, neue Formen schafft" (F.C. Gundlach). Ob Automobile, Stühle, Tassen, Stoffe, Lampen, Blumen oder Lebensmittel – stets erscheint das Objekt in angemessenem Licht in schlichter, oft fast minimalistischer Dramaturgie, die seinem Charakter entspricht und die materielle Erscheinung der Dinge als profundes Prinzip ihrer Existenz vermittelt.
Hans Hansen lokalisiert sich sehr entschieden im angewandten Bereich der professionellen Auftragsfotografie und bezeichnet seine freien Arbeiten gerne als Experimentierfeld. Ein Bereich profitiert vom anderen, und beide Arten der Fotografie stehen in einem fruchtbaren Austausch miteinander. Als Profi-Fotograf jedoch sieht sich Hansen als Teil eines kommunikativen Prozesses. Deshalb: "Je einfacher ein Foto ist, desto besser für eine gute Idee." Denn das richtige Lichtbild huldigt dem Gegenstand, stellt sich in den Dienst der Sache und entwickelt sich zu einem Mosaikstein in einem komplexen Gefüge – zum Beispiel im kommunikativen System der Werbung.
Hans Hansens Schaffen beinhaltet dokumentarische Produktfotografie ebenso wie poetische Still Lifes, stringente Sachfotografie ebenso wie raffinierte, hintergründige oder gar spielerische Inszenierung. Souverän steht seine Art, die Dinge ins Lichtbild zu bannen, über den Kategorien. Es spielt eine sekundäre Rolle, ob die Aufnahme der Werbung nützt oder ob es sich um eine freie Arbeit handelt. Hansen löst sein Sujet aus seinem gewohnten Bezug und verleiht ihm magische Würde – ist doch auf einem wirklich guten Foto stets mehr zu sehen als nur der abgebildete Gegenstand. |