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| Cassina. Plastic goes
Pop, or: From Superleggera to Postmodernism |
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![]() Gaetano Pesce Chair„Feltri“, 1987 |
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| TOSHIYUKI KITA: NEUE EINRICHTUNGSTYPOLOGIEN " Ein Sessel, der sich den menschlichen Formen anpasst": so definiert der Japaner Toshiyuki Kita den Sessel Wink (1980), der aus einer komplexen Verflechtung westlicher und östlicher Stileigenheiten besteht. Als Sessel oder Chaiselongue zu benutzen, wenn man den Sitz nach vorne klappt, besitzt Wink eine verstellbare Rückenlehne und eine zwei geteilte Kopfstütze, deren Hälften unabhängig voneinander geneigt werden können. Das Objekt eignet sich für viele verschiedene Gebrauchszwecke und fordert zur informellen Haltung auf, so dass der Mensch immer frei in seinen Bewegungen sein kann. GAETANO PESCE: FORMELLE EXPERIMENTE WERDEN ZU PRODUKTEN Die Polstermöbel, die Gaetano Pesce in den siebziger und achtziger Jahren für Cassina entwirft, sind ein Paradigma seiner Überzeugung, dass jeder seinen Geschmack selbst bestimmen sollte. Die übermäßige Verplanung und Bevormundung, die sich im 19. Jahrhundert durchgesetzt hatte - so erklärte er - habe zu einer unmerksamen Repression des Verbrauchers geführt; innerhalb der allgemeinen Homologierung wäre das Leben nicht mehr spontan genug. Pesce ist davon überzeugt, dass Leben bedeutet, anders zu sein und dass auch Gegenstände von diesem Recht Gebrauch machen dürfen. Die Form der Sitze von Sit Down (1975) z. B. variiert von Stück zu Stück, auch wenn die formelle Ausrichtung der Gesamteinheit immer die gleiche bleibt. Der Polyurethanschaum wird in weniger komplexer Form verwendet, um ähnliche aber nicht identische Serienstücke zu erhalten. Die Polstermöbel sind aus einem einzigen Polyurethanblock, der in eine Form gespritzt wird, die mit einer Polyesterwatte-Steppdecke ausgekleidet ist, auf welche die vertikale Tragstruktur aus mit Riemen verstärktem Stahl gestellt wurde. Das Polyurethan schäumt frei und ungehemmt und drückt sich negativ gegen Rückenlehne und Sitz der Gussform ab, wobei das Ergebnis jedes Mal anders ausfällt. Das Sofa Tramonto a New York (1980) bestätigt die Metaphore von Gaetano Pesce über das Design: seine Objekte sind erst das Mittel, um Empfindungen auszudrücken, und werden dann erst zu Objekten. New York befindet sich in der Dekadenz, ist das der Sonnenuntergang? Pesce drückt diese Empfindung in einem Einrichtungskonzept aus. Das Sofa Tramonto a New York ist eine Einheit aus verschiedenen Elementen, die als Sitze, Armlehnen (Wolkenkratzer von New York) und Rückenlehne (die rote Sonne) fungieren; diese Elemente sind miteinander verbunden und werden durch schwarze U-förmige Bügel zusammen gehalten. Die Struktur besteht aus einem Rahmen von Mehrschichtplatten, aus einem Buchenholzrahmen mit Riemen (für die Sitze) und einer Bewehrung mit Sprungfedern (der halbmondförmige Kreis der Rückenlehne). Die Polsterung ist aus geformten Polyurethanblöcken; es gibt einen ersten, mit Polyesterwatte gefüllten Bezug, der vor dem Hauptbezug aufgezogen wird. Der Tisch Sansone (1980) ist ein weiterer Beweis für das Bedürfnis von Pesce, diversifizierte Objekte in Serie herzustellen. Der Tisch ist aus Druckguss-Polyesterharz. Die drei möglichen Varianten - fast rechteckig, fast quadratisch, fast rund - werden in den drei Farben weiß/rot/grün erzeugt und fallen jedes Mal anders aus. " Die Zukunft gehört dem weichen Material! Filz kann man biegen, wie man will, zu einem Schrank oder zu einem Sessel. So will ich die Möbel der Zukunft entwickeln". Die Forschung nach neuen Materialien und Technologien steht immer noch ganz oben auf der Interessenliste von Pesce. Das Mod. 375, I Feltri (1987) ist zum Beispiel aus dickem Filz, der mit wärmegehärtetem Harz getränkt wird und eine große Formenfreiheit bietet. Im Sessel ist eine gesteppte Matratze mit Druckknöpfen angebracht, die abgenommen werden kann. Der Sitz ist durch Hanfbänder an die Struktur gebunden, mit denen auch der obere, weiche Teil des Sitzes umwunden ist. CASSINA UND GIO PONTI Die Tätigkeit des Unternehmens war in den fünfziger Jahren stark an die kreative Genialität von Gio Ponti gebunden. In seinen Einrichtungsprojekten der damaligen Jahre scheinen zwei entgegen gesetzte Tendenzen zusammen zu leben: einerseits der Klassizismus dekorierter Möbel, die er zusammen mit Piero Fornasetti realisierte, andererseits die steigende Anziehung zum Modernismus, zu Objekten, die zum "Leichten, Feinen tendieren". Die gespannte Stromlinie der Seitenansicht des Sessels Distex (Mod. 807, 1953) reflektiert diese poetische Entwicklung der Projekte von Gio Ponti. Er wird sowohl mit vollen Armlehnen mit "spitzer" Geometrie und Holzfüßchen, wie auch in der Variante mit Armlehnen und Beinen aus Metall produziert. Diese Variante fügt Ponti in die Ausstattung der "Uni-ambientale Einrichtung" auf der XX. Triennale in Mailand ein. Der Sessel Distex ist beispielhaft und symptomatisch für die Herstellung von Polstermöbeln dieser Jahre, bei der Schaumgummi und dehnbare Riemen verwendet werden, welche die herkömmliche Sprungfederpolsterung abgelöst haben, sowie neues Bezugsmaterial wie Vinylleder, Vipla und Flexa. DIE LEICHTEN STÜHLE Der Stuhl Mod.646 von Gio Ponti, Leggera genannt, ist eine Zwischenstufe im Entwicklungsprozess der Projekte, die sich mit modernen Stühlen befassen, Später wird daraus das Mod. 699 Superleggera, einem der Archetypen des italienischen Design. Im Jahr 1949 wird in Domus (240) ein lackierter Eschenstuhl veröffentlicht, der schon einige formelle Paradigmen der Forschung von Ponti enthält ? die geneigte Rückenlehne und die zugespitzten Beine. Cassina nimmt das Modell 1952 in Produktion, aber erst 1957 erreichen die Studien von Ponti über den Stuhl, oder besser gesagt den "Stuhl-Stuhl, schlicht und ohne Adjektive, ein ganz normaler Stuhl... und basta, leicht, fein, vorteilhaft" (Domus 268, 1952) ihre Vollendung. Abgeleitet von den typischen Stühlen aus Chiavari, den "Chiavarine" der ligurischen Tradition, ist Superleggera indiskutabel das Ergebnis gezielter Forschung von Gio Ponti. Seine Fähigkeit und Kapazität zur Experimentierung und die von Cassina und ihren Handwerkern, die durch stetiges Erleichtern der Struktur und Veränderungen der Form der Stuhlbeine der ersten Version Leggera die endgültige Lösung finden, ergeben das perfekte Gleichgewicht zwischen Solidität und Leichtigkeit. Dank der dreieckigen Form der Stuhlbeine von nur 18 mm Seite und dem Gewicht von leichten 1,66 kg hat man die Grenze der Identifizierung der Strukturform erreicht. Ein sehr leichter aber besonders robuster Stuhl, von dessen unglaublichen Prüfungen Gio Ponti selber erzählt: "Wenn Sie zu Cassina gehen, können Sie selbst sehen, was die man damit anstellen, sie werfen die Stühle in die Luft, die nach unglaublichen Flügen, längs und quer, aufprallen und wieder hochspringen und nie kaputt gehen". (Domus 268, 1952) Seit fast fünfzig Jahren erzeugt und verkauft, ist Superleggera ein starkes Symbol der Dialektik zwischen der Poesie des Designers und dem technologisch-handwerklichen Gewissen des Unternehmens. Aus lackiertem oder unbehandeltem Eschenholz, wird der Stuhl heute nur noch mit Sitz aus indischem Rohr angeboten, in enger Anbindung an die Tradition der "Chiavarine", der Stühle aus Chiavari. |
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![]() Toshiyuki Kita | Chair "Wink“, 1976-1980
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