Geschichte
deutsch english

  Die Neue Sammlung ist heute mit rund 70.000 Objekten der Bereiche Industrial Design, Graphic Design und Kunsthandwerk eines der weltweit führenden Museen für angewandte Kunst des 20. Jahrhunderts – auf dem Gebiet des Industrial Design international das größte.
 
Gründung  |
1925 wurde Die Neue Sammlung in Abkehr von der historisch-artifiziellen Ausrichtung tradierter Kunstgewerbemuseen als Staatsmuseum gegründet. Sie firmierte als "Abteilung für Gewerbekunst", gedacht als Fortsetzung des Bayerischen Nationalmuseums bis in die Gegenwart und über die bayerischen und nationalen Grenzen hinaus. Das "Neu" im Namen war Programm und ist Verpflichtung bis zum heutigen Tage. Bereits im Gründungsjahr wurden auf der epochemachenden "Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes" in Paris zwar wenige, dafür aber internationale Spitzenleistungen akquiriert.
 
Werkbund  |
Idee und Initiative zur Gründung des Museums sind mit der 1907 in München formierten Werkbundbewegung verflochten, und eine seit 1912 aufgebaute "Moderne Vorbildersammlung" des Münchner Bundes, einer Teilgruppe des Werkbundes, bildete mit ca. 2000 Objekten den Grundstock des Sammlungsbestandes unseres Hauses.
 
Raummangel  |
 
depots
Doch schon damals waren die Probleme die gleichen wie heute. Bereits 1913 schrieb Eugen Kalkschmidt in der Frankfurter Zeitung:
"… man sieht also Gläser, Töpfereien und Porzellane, Türbeschläge und Lederarbeiten …, die allerdings noch in Truhen verwahrt sind, weil der Raummangel in allen Abteilungen die Entfaltung behindert. Diesen Mangel wird die Regierung über kurz oder lang behelfen müssen."
Auch 1925 war die Unterbringung der Neuen Sammlung als Staatssammlung in einem ursprünglich als Dienstvilla des Generaldirektors konzipierten Flügel des Bayerischen Nationalmuseums nur als kurzfristiges Provisorium gedacht, da auch dort die Raumsituation völlig unzureichend war. Bereits in seinem zweiten Jahresbericht, 1926/27, schrieb der Gründungsdirektor unseres Hauses, Günther Freiherr von Pechmann, an die Bayerische Staatsregierung:
"Das Hin- und Herschaffen der Gegenstände führt zu einem unnützen Aufwand von Zeit und Arbeitskraft, belastet das Personal übermäßig, bewirkt eine starke Abnützung wertvoller Bestände, erschwert den systematischen Ausbau und die Verwertung der Sammlung. Es ist verhängnisvoll, wenn einflußreiche Vertreter des zahlungskräftigen Auslands Die Neue Sammlung aufsuchen, um sich über die Spitzenleistungen des einheimischen Kunsthandwerks zu unterrichten, und dann erfahren müssen …, daß jene Gruppen, zu deren Besichtigung sie gekommen sind, in Schränken und Kisten verpackt sind, weil der Raum für ihre Aufstellung mangelt."
 
  1929 verließ der Gründungsdirektor resigniert das Haus, um einem Ruf nach Berlin als "Leiter der königlichen Porzellanmanufaktur" zu folgen. In seiner Abschiedsrede teilte er der erregten Presse, die erneut den "Niedergang Münchens als Kunststadt" beschwor, mit:
"… Für mich persönlich hätte man gesorgt. Nicht aber für die Abteilung für Gewerbekunst. Für die wollte man mir keinen Pfennig mehr bewilligen. … Nur deshalb habe ich den Ruf nach Berlin angenommen; denn dort wird man meine Tätigkeit kaum so eng begrenzen. Die Abteilung für Kunstgewerbe genießt bereits heute im Ausland großes Ansehen. Doch wir können es nicht auswerten. Warum? Aus Raummangel …"
 
Bauplanungen  |
Dem zweiten Direktor des neu gegründeten Staatsmuseums, dem international renommierten Entwerfer Wolfgang von Wersin, ging es in Sachen Neubau allerdings nicht besser als seinem Vorgänger. Wenige Monate nach seinem Amtsantritt unterbreitete er am 5. August 1929 dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus eine "Denkschrift über den Neubau für Die Neue Sammlung", der in der Tat Bauplanungen folgten. So sollte an der Südseite der Prinzregentenstraße ein Neubau mit 2800 qm Fläche für unser Haus errichtet werden - exakt die Fläche, welche die Bayerische Staatsregierung dieser Tage bereit ist, unserem Hause als Ausstellungsfläche in der "Pinakothek der Moderne" zur Verfügung zu stellen.
 
Kriegsjahre  |
Doch die Zeiten waren anders. Noch im selben Jahr gerieten die progressiven, international orientierten Ausstellungen unseres Hauses in die Schußlinie nationalsozialistischer Politik. Am 5. Juli 1930 berichtete der Völkische Beobachter (Nr. 158), daß der "der NSDAP angehörende Stadtrat Fiedler betonte, daß es nicht Aufgabe dieses Staatichen Instituts sei, … Ausstellungen zu veranstalten wie zur Zeit … "Der billige Gegenstand". Diese Ausstellung wird nämlich von den Warenhäusern selbst gemacht und ist nichts anderes als eine Anpreisung der Ramschware der Warenhäuser …" – erworben wurden in diesem Jahr vor allem Arbeiten aus den Werkstätten Wiens und Münchens, der Burg Giebichenstein und des von den Nationalsozialisten besonders angefeindeten Bauhauses – heute fast unbezahlbare Objekte!
 
depots Die Machtübernahme Hitlers 1933 traf Die Neue Sammlung hart. Auf die bloße Vermutung und Behauptung hin, er sei Jude, wurde der Leiter des Hauses im September 1933 entlassen und die Leitung ab April 1934 an den Generaldirektor des Nationalmuseums übertragen. Die Themen der Ausstellungen – "Das bayerische Ostmarkglas", 1934, "Kunstvolle Drechslerarbeiten", 1935, "Was sind gute Spitzen?", 1936, "HJ-Heime im Gebiet Hochland", 1938 – spiegeln, wie auch die Erwerbungspolitik, die Ideologie der Machthaber wider, für die dieses einst so progressive Museum mißbraucht wurde. Zahlreiche Sammlungsgegenstände wurden damals verkauft und verschleudert – oder Waisenhäusern zugeteilt. Der Sammlungsbestand wurde um ein Viertel dezimiert.

Von 1940 bis 1946 geschlossen, wurde Die Neue Sammlung 1947 wieder aus dem zwangsweisen Verband mit dem Bayerischen Nationalmuseum herausgelöst und als selbständige Sammlung mit der Bezeichnung "Museum für angewandte Kunst in München" und der Ausstellung "Moderne französische Keramik" eröffnet. Zahlreiche Wechselausstellungen sollten bis zum heutigen Tage folgen, da der Sammlungsbestand des Museums aus Raummangel weiterhin in den Depots versteckt bleiben muß.

 
Neubaupläne  |
Neubaupläne entstanden und verschwanden wieder in den Schubladen. So projektierte der Architekt Paolo Nester 1965 einen Stahl-Glas-Pavillon im Garten des Bayerischen Nationalmuseums. Ein zweites Pavillonprojekt wurde 1968 endgültig abgesagt. Zu Beginn des Jahres 1969 entschied der Bayerische Ministerrat, auf dem Gelände des ehemaligen Armeemuseums am Hofgarten einen Museumskomplex zu errichten, in dem neben der Graphischen Sammlung und der Staatsgalerie moderner Kunst auch Die Neue Sammlung untergebracht werden sollte. Doch auch dieser Plan blieb Papier, ebenso wie der Beschluß des Ministerrates vom 19.11.1985, der vorsah, auf dem Gelände des Marstallplatzes Nord für die Staatsgalerie moderner Kunst und unser Haus ein eigenes Gebäude zu errichten. Unterdessen wuchs und wuchs der Sammlungsbestand, eingezwängt in Räume, die schon beim Bezug für unzureichend erkannt wurden.
 
Donationen  |
Von herausragender Bedeutung waren die Übernahme der Plakatbestände der Graphischen Sammlung, die Übernahme des dreidimensionalen Nachlasses von Richard Riemerschmid – während die Zeichnungen dem Architekturmuseum übergeben wurden –, die seit 1980 vehement einsetzenden Schenkungen von privater Hand und der Industrie, die jüngst in Hinblick auf den nunmehr in Aussicht genommenen Neubau vollzogene Donation von Alexander Tutsek, der dem Hause eine bedeutende Sammlung an Möbeln der Glasgow School of Arts schenkte, oder die Übernahme des Nachlasses von Horst Michel, dem wohl wichtigsten Entwerfer in der DDR. Sie alle sind Zeugnis für das private Engagement der Bürger unseres Landes, das unserem Hause, ungeachtet seiner mühevollen Geschichte, seit Jahrzehnten entgegengebracht wird.
 
Neubauten  |
1996 begann der Freistaat Bayern zwei umfangreiche Neubauten für das Museum; in München, Pinakothek der Moderne und in Nürnberg, Neues Museum, das im Jahr 2000 fertiggestellt wurde. Angewandte Kunst bzw. Design stellen nun zusammen mit freier Kunst und Architektur die gesamte Formenvielfalt unseres Jahrhunderts anhand ausgewählter Beispiele auf höchstem Niveau dar.