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eillen gray, s-sessel, 1932-34
eillen gray, s-sessel, 1932-34 eillen gray, s-sessel, 1932-34
 
Eileen Gray (1878-1976)

"S-Sessel", 1932-1934
Prototyp aus Eileen Grays Haus "Tempe à Pailla" in Castellar, Frankreich
Rahmenkonstruktion aus gebogenen Sperrholzstreifen und massiven Holzquadern, weiß gestrichen; Metallschrauben, Metallbeschläge; cremefarbener Baumwollbezug mit abgesteppter Polsterung.
H. 78 cm, B. 55 cm, T. 100 cm
Hersteller: André-Joseph Roattino, Castellar, Frankreich
Erworben mit Unterstützung der Ernst von Siemens-Stiftung, München

Dieser zusammenklappbare Gartensessel ist eines der ungewöhnlichsten Möbelstücke des 20. Jahrhunderts. Die Idee des Funktionalismus ist hier in geradezu genialer Weise mit der Ästhetik der Moderne verbunden.Die irische Architektin und Designer Eileen Gray gehört zu den herausragenden Entwerferpersönlichkeiten der internationalen Moderne. Ganz wenige ihrer Entwürfe wurden ausgeführt oder sind erhalten, aber diese wenigen reflektieren ein außerordentliches künstlerisches Potential. Am Anfang ihres Schaffens standen exquisite kunsthandwerkliche Objekte, später führte sie der rigorose Funktionalismus ihrer Möbel und Bauten an die Spitze der Avantgarde.

Der Bau und die Ausstattung ihres eigenen Hauses - "Tempe à Pailla" bei Menton in Südfrankreich - stellen einen Höhepunkt im Werk von Eileen Gray dar. Besonders der aufgrund seiner Rahmenform so genannte "S-Sessel", der als zusammenklappbarer Terassenstuhl für "Tempe à Pailla" konzipiert war, besitzt herausragende Bedeutung.Die eigenwillige Konstruktion dieses Sitzmöbels geht weit über die bloße Funktion eines Gartenmöbels hinaus. Allein schon durch Materialwahl sehr leicht, lässt sich der Sessel auf die Hälfte seiner ursprünglichen Größe zusammenklappen und auf diese Weise bequem verstauen.
Zugleich suggeriert seine Formensprache eine Herkunft aus der Welt der Technik. Auffälligstes Merkmal des s-förmig geschwungenen Holzrahmens sind die einzelnen Durchbrechungen, die nicht nur tatsächlich zur Gewichtsminimierung beitragen (eine Methode, die auch im Flugzeugbau angewandt wurde), sondern sie erwecken auch visuell den Eindruck besonderer Leichtigkeit. Die weiße Lackierung unterstreicht die technische Ästhetik des Sessels, der als Alternative zu den üblichen vorhandenen Serienmöbeln geplant war. Wie fast alle Entwürfe von Eileen Gray kam er jedoch über das Stadium des Prototyps nicht hinaus. So ist es ein außerordentlicher Glückfall, eines dieser extrem seltenen Originalmöbel von Eileen Gray in die Bestände der Neuen Sammlung integrieren zu können.