Aktuell in der Sammlung
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Die Sammlung Design wandert

Der im Jahr 2007 ausscheidende Gründungsdirektor des Neuen Museums in Nürnberg Lucius Grisebach plant eine „Bilanzausstellung“ seiner Nürnberger Sammeltätigkeit seit 1988, die auf beiden Etagen des Museums stattfinden soll – also nicht nur in den angestammten Räumen der Sammlung Kunst im Obergeschoß, sondern auch in den Räumen der Sammlung Design im Erdgeschoß.
Ab August 2006 wird daher die Sammlung Kunst Schritt für Schritt auf beiden Etagen des Museums neu eingerichtet.

Um dies zu ermöglichen, baut Die Neue Sammlung die von ihr installierte Sammlung Design vorübergehend ab.
Die Arbeiten beginnen am 26. Juni 2006.
Wir bitten die Kurzfristigkeit des Termins zu entschuldigen.

Für die Dauer der Nürnberger Bilanz-Ausstellung reisen die Exponate der Neuen Sammlung zu Ausstellungen in Europa und Asien.


23. Mai – September 2006 (Zur Zeit nicht zu sehen)
Klepper – Wandereiner 1925/27. Ein Boot fährt um die Welt

 
24.1.–21.5.2006
Georg Gerster – Swissair-Plakate

20.9.2005–22.1.2006
Hans Hillmann – Filmplakate

28.6.–17.9.2005
Annamaria Zanella – "In Form von Schmuck – In forma di gioiello"

15.3.–26.06.2005
Künstlerplakate aus der DDR: Siebziger und Achtziger Jahre

9.11.2004–13.3.2005
"Ich jagte den Diamanthai" Karl Fritsch – Schmuck

20.7.–3.11.2004
Dieter Leistner – Magische Architekturen. Fotografien

23.3.–18.7.2004
Willi Moegle (1897-1989) Fotografien. Die Porzellanfabrik Arzberg in den 50er Jahren

23.9.2003–21.3.2004
Hubertus Hamm – Fotografie pur

18.3.–21.9.2003
Hans Hansen – Sachfotografie

12.11.2002–16.3.2003
Aldo Ballo – Fotografie & Design

18.7.–10.11.2002
Plakate aus Japan

26.2.–16.6.2002
Cadillacs und Limousinen – Fotografische Perspektiven von Freddy Langer und Christoph Seeberger

18.9.2001–12.1.2002 verlängert bis 24.02.2002
"Celebrities" Julius Shulman – Christian Coigny

23.1.–15.9.2001
Architektur Photographie Klaus Kinold



Sachfotografie in der Neuen Sammlung

Die Welt der Bilder hat die Welt der Dinge in den Hintergrund gedrängt. Eine Fülle von fotografischen Reproduktionen stürzt täglich auf uns ein – riesige Werbeflächen gewinnen mehr und mehr öffentlichen Raum. Weniger die Produktinformation zählt, als vielmehr die Vermittlung emotionaler Botschaften.
Aber die Dinge existieren wirklich. Und dort, wo geformte und gestaltete Gegenstände aufbewahrt werden, ist auch der Ort, an dem das Bild von ihnen und ihrer kulturellen Repräsentation seinen Platz hat – als eigenständiges Medium, das uns die Geschichte des Designs und Kunsthandwerks in fotografischen Imaginationen erzählt.

Fotografie spielte in der Neuen Sammlung seit Bestehen eine zentrale Rolle – zunächst vor allem als Teil der Ausstellungsarchitektur. So stützten sich etwa die beiden wegweisenden Ausstellungen "Neue amerikanische Baukunst" (1926) und "Das Licht im Dienste der Werbung" (1928) in erster Linie auf fotografisches Material.
Von Anfang an dem gewerbeübergreifenden Konzept der Werkbundbewegung verpflichtet, orientierte sich das Museum vor allem an den avantgardistischen Tendenzen der "Neuen Fotografie", an den kühnen Perspektiven und provokanten Motiven des "Neuen Sehens" der zwanziger Jahre. Damit hatte sich das Bild der Dinge völlig verändert. Diese neuen ästhetischen Prämissen flossen außerdem quasi nahtlos in die kommerzielle Produkt- und Werbefotografie ein, die sich nicht selten noch heute aus diesen frühen Anregungen speist. Die Grenzen waren fließend – wie sie es im Prinzip eben sind – freies künstlerisches Schaffen und professionelle Auftragsarbeit galten lange Zeit keineswegs als unvereinbare Gegensätze.

Ähnlich wie die Kunstgewerbemuseen des 19. Jahrhunderts – in denen dokumentarische Aufnahmen als Vorbildersammlung für Industrie und Handwerk angelegt wurden – erwarb auch Die Neue Sammlung im Laufe der Jahre einen umfangreichen Bestand an Objektfotos, die der Chronik dienen sollten. Darin verbargen sich wahre Schätze der zeitgenössischen Sachfotografie, die später der Fotosammlung zugeführt werden konnten.
Diese Fotosammlung im eigentlichen Sinne entstand jedoch erst seit den sechziger Jahren. Eine Fülle von Ausstellungen demonstrierte in der Folge die Position des Hauses auf diesem Feld der Gestaltung. 1954 wurden etwa Arbeiten der Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie in München gezeigt, 1956 Fotogramme von Heinrich Heidersberger und Werke von Herbert Bayer, 1962 "Photo-Graphik", 1967 die erste Werkschau von Bernd und Hilla Becher unter dem Titel "Industriebauten". In den siebziger Jahren schlossen sich Präsentationen von Robert Häusser, Herbert List, Raoul Hausmann und amerikanischen Landschaftsfotografen an. Dazwischen wurde in zahlreichen Ausstellungen mit dem Element der fotografischen Vermittlung – etwa beim Thema Architektur – gearbeitet. Die Lichtbildnerei wurde ganz im Sinne des Werkbund-Programmes als formgebender Beruf begriffen, und es war daher weniger wichtig, ob es sich um Landschafts-, Porträt-, Industrie- oder Sachaufnahmen handelte.

Seitdem hat sich die Struktur der Fotosammlung in entscheidendem Maße gewandelt. Das Augenmerk richtet sich heute vor allem auf herausragende Beispiele der Architektur-, Sach- und Produktfotografie, wie sich bereits an den Retrospektiven zu Hans Finsler, Klaus Kinold und Andreas Feininger ablesen ließ. Der fotografische Bestand umfasst inzwischen bedeutende Komplexe von Willi Moegle, Peter Keetman, Julius Shulman, Anton Stankowski, Herbert List, Walker Evans, Heinrich Heidersberger, Gabriele Basilico, Tom Vack, Aldo Ballo, Bernd und Hilla Becher, Ruth Hallensleben, Wolfgang Siol, Christian Coigny – um nur einige zu nennen – sowie von Klassikern der frühen Sachaufnahme, wie Hans Finsler, Piet Zwart, Anton und Franz Lazi, über Herbert Bayer bis Albert Renger-Patzsch. Einige dieser Lichtbildner mögen vielleicht für andere Schaffensbereiche berühmt geworden sein. Gleichwohl nimmt die Erfassung des Gegenstandes einen wesentlichen Anteil in ihrem Œuvre ein.

Die Neue Sammlung widmet sich daher einer Fotografie, die das Objekt, die Dinge des Alltags ins "rechte Licht" rückten – und explizit einer Fotografie, die als "Gestaltung mit Licht" zu verstehen ist. Die Sachfotografie des 20. Jahrhunderts lässt sich zwischen experimenteller und dokumentarischer Orientierung verankern. In diesem Spannungsfeld hat sie die aufregendsten fotografischen Produktinszenierungen hervorgebracht. Genau dieses Kapitel der Fotogeschichte wird in der Neuen Sammlung aufgeblättert und erschlossen.