| Ungewöhnlich und Aufmerksamkeit erregend war und ist die Ästhetik
dieser Plakate, die ganz und gar auf der Bildwirkung der Fotografien beruht. Es handelt sich
um Luftaufnahmen, oder – wie der Fotograf selbst es nennt – um Flugbilder:
aus einem Kleinflugzeug nahezu senkrecht von oben eingefangene Aufnahmen. Aus der Vogelperspektive
entdecken sie eine neue Welt, neue Landschaften, eine neue Natur, deren Linien und Strukturen, Formen und Farben in flächiger Abstraktion vor dem Auge erscheinen; eine Abstraktion, die jedoch nichts zu tun hat mit Verfremdung
durch Bearbeitung der Motive, sondern mit dem Blick des Fotografen. "Realitäten –
neu gesehen" – so lautete 1973 der Titel eines Berichtes über
diese Arbeiten.
Seit 1971 entstanden etwa 60 dieser Plakate in der Zusammenarbeit des richtungsweisenden
Schweizer Flug-Fotografen Georg Gerster mit Grafikern wie Emil
Schulthess, Hans Frei und Karl Gerstner. Über zwei Jahrzehnte lang prägten
die
Flugbilder von Georg Gerster den visuellen Auftritt der Fluggesellschaft. Die
drei
Serien, in denen die Plakate publiziert wurden, unterscheiden sich durch das
Logo
des Unternehmens und die grafische Gestaltung, die bewußt zurückhaltend
und
trotzdem prägnant Typografie und Fotografie verbindet.
Die erste Serie umfasst 20 Plakate. Sie tragen den von Rudolf Bircher gestalteten
Namenszug und das Pfeilsignet von 1951. Ab 1979 folgte, in Hinblick auf das
1981
bevorstehende 50jährige Jubiläum der Fluggesellschaft, die zweite
Plakatserie.
Das grafische Erscheinungsbild wurde überarbeitet: Für den Namenszug
wurde die
"Futura Fett" genommen – die von Paul Renner bereits 1925
gestaltete Futura galt
auch um 1980 noch als modern. Hinzu kam das Signet des Schweizerkreuzes in
zinnoberrotem Rhomboid. Obwohl dieses Signet sonst durchgängig benutzt
wurde,
tritt es auf den Plakaten erst in der dritten Serie 1996 auf.
In dieser letzten Serie behielt man den von Karl Gerstner gestalteten Namenszug
bei, fügte jedoch das Signet mit dem Schweizerkreuz hinzu und nahm als Schrift
für den Plakattitel eine Serifen-Antiqua.
Ein Bericht der Zeitschrift Gebrauchsgraphik skizzierte 1973 die Corporate Identity
des Unternehmens: "Der Gedanke, sie (die Fotografien) zu drucken und damit zu
werben, kennzeichnet eine Gesinnung und einen kulturellen Auftritt, der bei
Wirtschaftsunternehmen leider nur recht selten in diesem Maße realisiert wird.
Nicht nur die rote Marke der Swissair, sondern alle Tätigkeiten der Luftlinie von der
kleinsten werblichen Äußerung bis zum Service im Flugzeug verleihen Prestige,
sind Dokumente eines Konzepts, das Zweitklassigkeit nicht kennt."
Georg Gerster (geboren 1928 in Winterthur/Schweiz), promovierter Philologe, ab
1950 Wissenschaftsredakteur der Zürcher Weltwoche, ist seit 1956 als freier Publizist
mit den Schwerpunkten Flugfotografie und Wissenschaftsreportage u. a. für die
Neue Zürcher Zeitung und National Geographic tätig.
Seine Fotos waren in Einzel- und Gruppenausstellungen in Europa, Japan und den
USA zu sehen.
Zu den Publikationen des Doyens der Flugfotografie zählen u. a. Bände wie
Die Welt rettet Abu Simbel (1968), Der Mensch auf seiner Erde. Eine Befragung in
Flugbildern (1975), Flug in die Vergangenheit. Archäologische Stätten der Menschheit
in Flugbildern (2003), Weltbilder. 70 Flugbilder aus den sechs Erdteilen (2004),
Mit den Augen der Götter. Flugbilder des antiken und byzantinischen Griechenland.
Das Festland (2005), Swissair Posters (März 2006). |