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    Klepper – Wandereiner 1925/27
Ein Boot fährt um die Welt

23. Mai – September 2006
 
Neben VW Käfer, Jukebox und Vespa wird eine weitere Designikone der fünfziger Jahre vorgestellt. Den „Urtyp“ des Klepper-Faltbootes erfand um 1900 ein Münchner Architekturstudent. In den zwanziger Jahren wurde es weiterentwickelt zu einem sehr frühen Beispiel des Systemdesigns, das erst in den fünfziger und sechziger Jahren zu großer Breite und Akzeptanz gelangte. Das elegante Eschenholz-Boot erlebte in den Jahrzehnten nach den Zweiten Weltkrieg weltweite Verbreitung aufgrund seiner leichten Handhabung, seiner hohen Flexibilität, seines überschaubaren Preises und seiner vielfältigen Einsetzbarkeit und wurde für viele natur- und sportbegeisterte Menschen zum Symbol einer wiedergewonnenen Freiheit. Spektakuläre Forschungsreisen mit dem berühmten Faltboot – etwa zum Oberen Nil von Herbert Rittlinger 1954, die Anden-Amazonas-Expedition von Hans Ertl 1955 oder die Atlantiküberquerung von Hannes Lindemann 1956 – fachten diese Popularität weiter an.
Die Neue Sammlung stellt ab 23. Mai als Aktuelle Präsentation im Neuen Museum in Nürnberg zwei Klepper-Faltkajaks einander gegenüber: den Wandereiner von 1925/27 (Donation der Firma Klepper Faltbootwerft, Rosenheim) und dessen Weiterentwicklung „Slalom 59“ aus den fünfziger Jahren.
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Eine ganze Reihe von Designikonen aus der Wirtschaftswunderzeit geht auf gestalterische Entwicklungen der Jahre zwischen den beiden Weltkriegen zurück. Neben dem Paradebeispiel VW-Käfer gehört dazu auch das Klepperboot. Ähnlich wie der Käfer und die Vespa wurde es seit den fünfziger Jahren zu einem Symbol der wiedergewonnenen Freiheit, der Mobilität und der Unabhängigkeit und fand jene breite Akzeptanz, die die Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg bildete. Das elegante Boot aus Eschenholz erlebte, obwohl bereits in den zwanziger Jahren zur Serienreife gebracht, in den Jahrzehnten nach den Zweiten Weltkrieg weltweite Verbreitung. Das geringe Gewicht, die Kippstabilität und Haltbarkeit, die leichte Handhabung und vielfältige Möglichkeiten des Einsatzes machten es keineswegs nur geeignet für Forschungsreisen und Expeditionen, sondern vor allem auch für den, immer größere Bedeutung gewinnenden Freizeitsport – zumal sich der Preis in ü berschaubaren Grenzen hielt.
Erfunden wurde das Faltboot in seiner heutigen Form – von Vorläufern berichtet schon Herodot – vor rund 100 Jahren. Der Münchner Architekturstudent Alfred Heurich (1883-1967) baute aus Bambusstangen und Stoff ein zerlegbares Boot, mit dem er am 30. Mai 1905 die Hochwasser führende Isar von Bad Tölz bis München befuhr. Diese „wildbewegte“ Fahrt gilt als Geburtsstunde des modernen Kajaksports.
Inspiriert wurde Heurich durch Eskimoboote im Münchner Völkerkundemuseum. Die ursprünglich für Walfang und Reise verwendeten Kajaks der Inuit waren zwar nicht zerlegbar, wiesen aber ein sehr ähnliches Konstruktionsprinzip auf: Über ein Gerüst aus Holz wurde eine Haut (Robbenhaut) gespannt. Der Vorteil dieser Skelettbauweise bestand sowohl in der Stabilität als auch im geringen Gewicht des Bootes.
1907 erwarb der Rosenheimer Schneidermeister Johann Klepper von Alfred Heurich die Lizenz für den Bau der Faltboote. Einer problemlosen Serienproduktion stand allerdings noch vieles im Wege. So war es schwierig, an den Bambusstäben mit ihren ungleichen Stärken Beschläge anzubringen. Zudem hatte das Boot eine unzureichende Längsspannung, so daß die imprägnierte Segeltuchhülle nach dem Gebrauch stark durchhing. Serienreife erlangte das Boot erst nach zahlreichen Verbesserungen; neben einer Kniehebelspannung gehörte dazu vor allem die Verwendung von massivem Eschenholz für das Gerüst. Mit diesen Neuerungen der zwanziger Jahre entstand ein frühes Beispiel des Systemdesigns, das internationale Beachtung fand und 1937 auf der Weltausstellung in Paris mit dem „Grand Prix“
ausgezeichnet wurde.
Erfolge in Sportwettkämpfen belegten die Schnelligkeit der Konstruktion, und für Abenteurer und Forscher zählten die Faltboote der Klepperwerft seit eh und je zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen. So kamen sie mit Roald Amundsens Expedition am Nordpol zum Einsatz (1926); Sven Hedin unternahm damit seine spektakulären Entdeckungsreisen in Asien (1928) und Ernst Sorge seine Spitzbergen- Expedition (1935).
Nach den Kriegsjahren und den damit einhergehenden Zerstörungen erfolgte der langsame Wiederaufbau der Klepper-Werke. Verbunden mit dem Neuanfang war die Weiterentwicklung des Faltkajaks. Die Fortsetzung der spektakulären Forschungsreisen fachte seine Popularität zusätzlich an. Herbert Rittlinger befuhr den Oberen Nil (1954), Hans Ertl den Amazonas (1955), und Hannes Lindemann überquerte 1956 mit einem Klepper-Zweier den Atlantik – im Einer schaffte diese Fahrt 1928 bereits Franz Romer. 1984/1985 fuhr Arved Fuchs im Klepperboot um Kap Horn und zum Nordpol. Während der „Wandereiner“ von 1925/27 gleichsam als Urmodell für das bis heute produzierte Faltboot steht, veranschaulicht der „Slalom 59“ eine Zwischenstufe aus den fünfziger Jahren. Materialien und Beschläge wurden zwar im Lauf der Jahrzehnte kontinuierlich verbessert, doch am Konstruktionsprinzip hat sich seit den frühen Modellen kaum mehr etwas verändert – ebensowenig an der Fertigung, die nach wie vor handwerklich in Rosenheim durchgeführt wird.
Die Idee, ein Boot zum Mitnehmen zu bauen, ist an sich schon sehr bemerkenswert, aber nicht völlig neu. Die Umsetzung dieser Idee in ein Faltbootsystem, das konstruktive und gestalterische Aspekte untrennbar verbindet, belegt dagegen auf beeindruckende Weise das innovative Potential dieses Entwurfs. Zahlreiche
Klassiker der Moderne erlangten ihre heute so selbstverständliche Position in der Designgeschichte, ihren Status als „Designikone“ erst durch Weiterentwicklungen oder Neueditionen in der Nachkriegszeit – ein Kontext, in dem auch das Klepperboot zu sehen ist.

 

 
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