| Fotografie/Grafikdesign |
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| Willi Moegle (1897-1989) - Fotografien Die Porzellanfabrik Arzberg in den fünfziger Jahren 23.3.18.7.2004 |
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"Ich habe die gute Form erkannt, das Wesen der guten Form", sagte der Fotograf Willi Moegle in einem Gespräch kurz vor seinem Tode. Dazu gehörte für ihn auch deren fotografische Präsentation und dieser sah er sich mit großer Leidenschaft und Perfektion zeitlebens verpflichtet. 1897 in Stuttgart geboren, eröffnete Moegle nach einer Chemigraphen-Lehre und einem dreijährigen Studium an der Kunstgewerbeschule 1927 sein erstes Foto-Atelier in Stuttgart, das 1944 ausgebombt wurde. Das 1950 neu gegründete Studio in Leinfelden-Echterdingen übernahm Anfang der siebziger Jahre seine Mitarbeiterin Hansi Müller-Schorp, welche die Arbeit Moegles fortsetzte und in eine abstrahierende Richtung radikalisierte. Der Lichtbildner Willi Moegle hat das Erscheinungsbild der deutschen Porzellan-, Glas- und Möbelindustrie vornehmlich in den fünfziger und sechziger Jahren entscheidend geprägt und mitgestaltet. Zu seinen Auftraggebern zählten zum Beispiel die Firmen Schott, Gral-Glas, Schönwald, Schnaidt, die Hohenloher Schalmöbelfabrik, die Staatliche Porzellanmanufaktur Berlin, die Graf Schafgotsch'sche Josefinenhütte, die Hochschule für Gestaltung in Ulm und natürlich auch die Porzellanfabrik Arzberg in Oberfranken. Willi Moegle gilt als einer der herausragendsten und profiliertesten Sachfotografen des 20. Jahrhunderts, auch wenn er nicht die Berühmtheit zahlreicher Kollegen genießt. Die Produktfotografie aber war damals ein anonymes Geschäft und die meisten Originalabzüge tragen allein den Vermerk "Werkfoto". Dem passte sich auch Moegles Vorgehensweise an: er stellte sich ganz in den Dienst seiner Motive. Sein Ziel war es, das Wesen der Objekte einzufangen, ihre Materialität, Plastizität, ihre funktionalen Eigenschaft, ja sogar ihre spezifische Anmut dies durch sparsame fotografische Mittel: das Ausleuchten, das kalkulierte Arrangement der Gebrauchsgegenstände, die Wahl des Hintergrundes usw. Vor seiner Kamera gewann das Produkt die Qualität einer Persönlichkeit. Wichtigstes Medium blieben stets Licht und Schatten scheinbar leicht und natürlich eingesetzt: das war die Kunst Willi Moegles. Die Porzellanmanufaktur Arzberg in Oberfranken (gegründet 1887) beauftragte Moegle mehrfach mit Produkt- und Werksdokumentationen. Es entstanden Bilder, die noch heute von Arzberg publiziert werden und damit historische Kontinuität und die anhaltende Aktualität dieser Firma auf anschauliche Weise repräsentieren. Abgesehen davon, dass Moegle zeitlose Porträts der Arzberg-Klassiker von Hermann Gretsch und Heinrich Löffelhardt anfertigte, widmete er sich in der ausgestellten Fotoserie allein dem Produktionsprozess. Die Aufnahmen werden in diesem Umfang zum ersten Mal gezeigt und ergeben eine sinnvolle Ergänzung zu den umliegenden Räumen. Das Hauptaugenmerk Moegles liegt in diesem Fall nicht auf dem fertigen Produkt, sondern vor allem auf dem Dialog zwischen Mensch und Gegenstand. Beide treten wie auf einer für sie geschaffenen illuminierten Bühne ins "Rampenlicht" der fotografischen Aufnahme. Jede Situation, jeder Handlungsausschnitt bekommt ein eigenes Gewicht, eine Aura von Einmaligkeit und Bedeutung. Der Gegenstand wird nicht aus seinem täglichen Umfeld isoliert, sondern der Mensch vielmehr in seinem Ambiente aufgesogen und er rangiert somit gleichrangig neben den Dingen, verschmolzen und vereint mit diesen durch den Lichtkegel der Kamera. Die Aufnahmen von Willi Moegle zur Porzellanherstellung bei Arzberg signalisieren in ihrer Komplexität und Singularität eine Bereicherung und Steigerung der reinen Produktfotos. Darüber hinaus bieten sie uns Einblicke in eine Fertigungsart, die gewissermaßen vom Aussterben bedroht ist. Gegen alle Wechselfälle konnte sich jedoch die Marke Arzberg ihren Bestand bewahren und sichern. Ein Beweis dafür, dass die Freude am Porzellan noch nicht verloren gegangen ist. |
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