Neu! Staatl. Museum für Völkerkunde:
„ Keramik aus Lateinamerika und Asien, Peru-Thailand-Pakistan“
Das Staatliche Museum für Völkerkunde München zeigt aus seinen
reichen Beständen eine Auswahl an qualitätvollen Keramiken aus
Lateinamerika und Asien. Es zeigt damit die Vielfalt dieser faszinierenden
Kunst: je nach Herkunft und Alter sind die Objekte in unterschiedlicher Weise
hergestellt, stammen aus unterschiedlichen Kontexten und zeigen eine jeweils
andere Oberflächenbehandlung.
Die Keramik aus dem Alten Peru stammt aus der Vor-Inkazeit. Es handelt sich
um archäologische Zeugnisse, die als Grabbeigaben die Bestatteten in
eine jenseitige Welt begleiten sollten. Die ältesten vorgestellten Kulturen
sind die der Moche und Nazca an der nördlichen bzw. südlichen Küste
Perus. Sie existierten zwischen 100 v.Chr. und 600 n.Chr. Die Moche-Keramik
zeichnet sich durch realistisch geformte Figuren und Darstellungen aus, während
die die der Nazca durch ihre farbintensive Bemalung meist mythischen Inhaltes
besticht. Die Chancay-Kultur siedelte von 1000 bis 1450 n.Chr. an der zentralen
Küste, die der Ica zur gleichen Zeit an der südlichen Küste.
Die Chancay stellten eine ausdrucksstarke Keramik mit grob wirkender Oberfläche
her, während die Ica ihre Gefäße mit feinen Mustern bemalten.
Zwei Amphoren stammen aus der Tuncahuán-Kultur Nordecuadors. Sie sind
mehr als tausend Jahre alt, vergleichsweise jung zu den bis ins vierte Jahrtausend
zurückreichenden Keramikfunden Ecuadors.
Farbenfroh sind Beispiele glasierter Keramik aus Pakistan, einem Land im
Schnittpunkt Süd-, West- und Zentralasiens, das seit jeher eine Drehscheibe
der Kulturen darstellt. Erzeugnisse des dortigen Töpferhandwerks sind
in europäischen Museen äußerst selten zu sehen. Die ausgewählten
Gefäße aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert
spiegeln bis heute lebendige Traditionen dekorativer Keramik und Gebrauchstöpferei.
Mit Blüten und Ranken bemalte Vasen, Schalen und Teller aus der Stadt
Multan im „Fünfstromland“ erscheinen vornehmlich in Kobaltblau,
Weiß und Türkis. Diese prächtig verzierten Stücke waren
besonders in der Kolonialzeit beliebt. In der bäuerlich geprägten
Region um Peschawar, nahe der Grenze zu Afghanistan, sind bis heute Töpfereiprodukte
in Gebrauch, die sich durch warme und sinnliche Farben auszeichnen. Die Erzeugnisse
reichen von Vorratsbehältern, Tellern und Wasserpfeifengefäßen
bis zu Öllämpchen und Näpfchen für Vogelkäfige.
Ban Chiang ist ein kleines Dorf im Nordosten Thailands. In den sechziger
Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckte man dort eine große Anzahl von
Tonscherben, die zum Teil Rötelbemalung aufwiesen. Untersuchungen mit
der Termoluminiszenz-Methode ergaben ein Höchstalter von ca. 5000 Jahren.
Keramik wurde neben dem alltäglichen Gebrauch vor allem als Grabbeigabe
verwendet. Dabei zerschlug man wahrscheinlich aus rituellen Gründen
die meisten Gefäße über dem offenen Grab, so dass nur wenig
intakte Gefäße erhalten geblieben sind. Die frühesten Gefäße
waren aus rotem Ton gebrannt und mit eingedrücktem Schnurdekor verziert.
Später kamen eingeritzte Muster und schließlich mit roter Farbe
aufgemalte spiralförmige Verzierungen hinzu. Auffallend ist die breite
Formenvielfalt, die von der einfachen Schale über den graziösen
Becher bis zum großvolumigen Vorratsgefäß reicht. Etwa 200
n. Chr. verschwand die Ban Chiang Kultur wieder, ohne dass wir bis heute
den Grund dafür wissen.
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