| Winterhalbjahr 2003/2004 Vortragsreihe "Gesellschaft und Berufsleben im Alten Ägypten" |
Sonntag, 19.10.2003 11.00 Uhr Teilnahme frei! |
Matinée: "Zu Gast in Weiden - Das neue Gastobjekt aus dem Ägyptischen Museum München" Hoch auf dem Königswagen - Ein Relieffragment der Amarna-Zeit
Noch bevor Amenophis IV., der spätere Echnaton, und seine Gemahlin Nofretete die Reichshauptstadt von Theben in das von ihnen neu gegründete Amarna verlegten, ließen sie vor dem stillgelegten thebanischen Amuntempel gewaltige Kultanlagen für den neuen Sonnengott Aton errichten. Als Baumaterial hierfür wurden Sandsteinquader verwendet, die wegen ihrer Breite von drei Handspannen als "Talatat" (vom arabischen Zahlwort "thalatha") bezeichnet werden. Die darin eingeschnittenen Reliefs weisen als Hauptmotiv die Königsfamilie unter dem Strahlenkranz der Sonnenscheibe Aton auf. Das Gastobjekt zeigt als Detail einer solchen Szene einen nach vorn gebeugten Wagenlenker aus dem Gefolge des Herrscherpaares, das wahrscheinlich bei der Ausfahrt zum Tempelbesuch wiedergegeben war.
Einführung: Joachim Willeitner M.A., Ägyptologe, München |
Samstag, 15.11.2003 17 Uhr Eintritt: 4,-/3,- Euro |
Gold, Silber, Bronze - Die Metallhandwerker
Aus Kupfer, das auf dem Sinai gewonnen wurde, und aus Gold, das aus dem rohstoffreichen Nubien kam, stellten die ägyptischen Kunsthandwerker von großformatigen Königs- und Götterstatuen über Waffen und Werkzeuge bis hin zu filigranen Schmuckstücken eine breite Palette von Metallarbeiten her. Hingegen fand Silber als Rohstoff, der teuer aus dem Ausland importiert werden musste, nur selten Verwendung, ganz zu schweigen vom Eisen, dessen Verhüttung erst sehr spät beherrscht wurde. Als Goldschmiede waren vor allem Zwerge geschätzt, da sie mit ihren kleinen Händen selbst feinste Arbeiten verrichten konnten. Besonders die Wandmalerein im Grab des Rechmire in Theben-West erlauben in ihrer detaillierten Wiedergabe Rückschlüsse auf die Metalltechnologie der alten Ägypter.
Referentin: Andrea Gramann M.A., Ägyptologin, München |
Samstag, 06.12.2003 17 Uhr Eintritt: 4,-/3,- Euro |
Sicherheit nach innen und außen - Polizei und Militär
Für ihre militärischen Aktionen konnten die Pharaonen auf ein gut ausgebildetes Heer zurückgreifen, das streng hierarchisch gegliedert war. Die Soldaten, bei denen es Fußtruppen und Einheiten in pferdegezogenen Streitwagen gab, führten regelmäßige Übungen durch, um ihre Kampfkraft zu erhalten. Einerseits bot vor allem das Militär den Leuten geringerer Abkunft mit entsprechenden Fähigkeiten die Möglichkeit, Standesschranken zu überwinden und rasch die Karriereleiter zu erklimmen, andererseits kamen in der Armee vielfach die zahlreichen nicht thronberechtigten Prinzen in den führenden Positionen unter. Während das Miltär im Ausland agierte bzw. die Grenzsicherung wahrnahm, gab es für die innere Sicherheit vergleichbar strukturierte Polizeieinheiten.
Referentin: Andrea Gramann M.A., Ägyptologin, München |
Samstag, 14.02.2004 17 Uhr Eintritt: 4,-/3,- Euro |
Im Rhythmus der Fluten - Landwirtschaft im Niltal
Schon Herodot stellte zurecht fest, dass Ägypten ein Geschenk des Nils sei. Die jährlichen im Hochsommer einsetzenden Überschwemmungen bildeten den Auftakt zum ägyptischen Jahr, das sich in drei Jahreszeiten zu vier Monaten gliederte. Die Benennung der Jahreszeiten als "Überschwemmung", "Aussaat" und "Ernte" belegt anschaulich nicht nur den von der Natur vorgegebenen Ablauf der bäuerlichen Tätigkeiten, sondern den prägenden Charakter der Landwirtschaft und Feldbearbeitung für nahezu alle Bereiche des Alltagslebens. So wurde nach jeder Flut das Ackerland neu verteilt, und es wurden entsprechende Steuern im voraus festgelegt, so dass auch Landvermesser und der entsprechende Beamtenapparat zur Ermittlung und Eintreibung der Abgaben eng mit der Landwirtschaft verknüpft war.
Referentin: Andrea Gramann M.A., Ägyptologin, München |
Samstag, 20.03.2004 20 Uhr Eintritt: 4,-/3,- Euro |
Lehm, Töpfe, Scherben - Die Keramikproduktion
Vermutlich im 6. Jahrtausend v.Chr. machten die Bewohner Ägyptens die Entdeckung, dass man Lehm, mit dem man zuvor wohl nur Flechtkörbe ausgekleidet hatte, durch Brennen härten und somit zu langlebigen Gefäßen verarbeiten konnte. Es dauerte dabei allerdings bis zum Mittleren Reich (ca. 2000 v.Chr.), bis auch die Töpferscheibe in Ägypten heimisch wurde. Allerjüngste Ausgrabungen ergaben, dass auch in den Oasen der ägyptischen Westwüste - dank der dortigen Lehmgruben - eine Keramikproduktion von nahezu industriellem Ausmaß existierte. Da Topfscherben praktisch nicht verrotten und die Gefäße und Glasuren ständig Modeerscheinungen unterworfen waren, ist Keramik mittlerweile als Datierungsmerkmal aus keiner Ausgrabung mehr wegzudenken.
Referent: Joachim Willeitner M.A., Ägyptologe, München |
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