30.03.2007 – 17.06.2007

Diamonds and Bars. Die Kunst der Amischen. Quilts der Sammlung Schlumberger

Eine der weltweit qualitätvollsten Sammlungen zum Thema Quilts der Amischen stellt sich vor.
Blick in die Ausstellung Diamonds and Bars. Die Kunst der Amischen, 2007.
Foto: Rainer Viertlböck © Die Neue Sammlung

Über die Ausstellung

Radikal abstrakt, aus Raute, Quadrat und Streifen, also aus ‘Diamonds’ und ‘Bars’ – so entstanden in Pennsylvania lange vor dem ‘Schwarzen Quadrat auf weißem Grund’ (1913 / 1915) von Kasimir Malewitsch die ältesten amischen Quilts – reine Geometrie und pure Farbe.

Quilts sind Bettdecken. Quilts der Amischen sind noch etwas anderes. 1971 feierte sie Hilton Kramer, der brühmte Kunstkritiker der New York Times, als genuin amerikanische Moderne vor der Moderne. Die Zeiten von Op Art, Minimal Art, Hard Edge Painting und Konkreter Kunst hatten die Augen geöffnet für die Ästhetik dieser Arbeiten. Dennoch – die so moderne Anmutung dieser gesteppten Patchwork-Decken entsprang dem Gestaltungswillen einer bewußt altertümlich und weltabgewandt lebenden, christlichen Religionsgemeinschaft in den USA im 19. Jahrhundert. Die Quilts der Amischen stammen aus den Zeiten von Queen Victoria, von Jugendstil und Art Déco.

Der Lebenstil der Amish People, die auf der Suche nach Glaubensfreiheit einst aus Europa nach Pennsylvania, in den Mittleren Westen und nach Kanada kamen, ist dem American Way of Life diametral entgegengesetzt. Den einzigen Schmuck, das einzige farbige Element der Einrichtung ihrer Farmhäuser bilden die Quilts.
Die Muster bauen sich in strenger Komposition aus wenigen Grundelementen auf, in satten, intensiven Farbtönen, häufig in kühner Zusammenstellung. Den Farben und der Geometrie der Flächen fügen die Steppstiche – das Quilting – eine weitere ästhetische Ebene hinzu: die Effekte des Lichts und die Dreidimensionalität des Reliefs, das die Stepplinien im weichen Untergrund verursachen. Von der strahlenden Vitalität, lapidaren Ausdruckskraft, Monumentalität oder schlichten Eleganz der großflächigen Quilts reicht das Spektrum über die Klarheit und unumwundene Direktheit vielfältigster Reihenmuster bis zu kompliziert gemusterten Stücken mit der Illusion von Räumlichkeit.
Die amischen Quiltmacherinnen variieren mit hohem Einfallsreichtum ein relativ enges, von strengen Traditionen bestimmtes Repertoire an Mustern. Die im einzelnen freie Gestaltung der Quilts unterliegt einer größeren Ordnung, von der auch das gesamte Leben der Amischen durchdrungen ist. Obwohl diese ‘Ordnung’, – die auf wörtlicher Auslegung der Bibel basiert, – mit Ablehnung jeglicher Eitelkeiten und Unterordnung des Individuums unter die Gemeinschaft einhergeht, entstanden unter diesen vermeintlich widrigen Bedingungen, ferab vom aktuellen Kunstgeschehen, Werke von hoher Ausdruckskraft und großer ästhetischer Kühnheit. In ihrer formalen Reduktion und Abstraktion scheinen sie die Suche nach dem Elementaren zu verkörpern.
In engem Wechselbezug mit der profilierten Sammlung zeitgenössischer freier Kunst ihres Partners Friedrich E. Rentschler (Sammlung FER) baute Maria Schlumberger in den letzten 15 Jahren eine der weltweit qualitätvollsten Sammlungen zum Thema Quilts der Amischen auf; mit heute nahezu 100 Objekten handelt es sich auch um eine der umfangreichsten und vielfältigsten. Die Neue Sammlung – das Staatlichen Museum für angewandte Kunst und Design in München – zeigt nun erstmals eine, in Kooperation mit den Sammlern getroffene Auswahl, und dies am richtigen Ort – im Kontext der Pinakothek der Moderne, unter deren Dach vier verschiedene Museen das Spektrum der Bildenden Künste transdisziplinär darstellen.

Highlights:

Blick in den Eingangsbereich zur Ausstellung DiamBars. Die Kunst der Amischen, 2007.onds and
Foto: Rainer Viertlböck © Die Neue Sammlung
Blick in die Ausstellung Diamonds and Bars. Die Kunst der Amischen, 2007.
Foto: Rainer Viertlböck © Die Neue Sammlung
Blick in die Ausstellung Diamonds and Bars. Die Kunst der Amischen, 2007.
Foto: Rainer Viertlböck © Die Neue Sammlung

Eine umfangreiche Publikation beleuchtet durch Fotografien, die besonders das Quilting und die Farbwahl hervorheben, auch die Geschichte der Sammel-Leidenschaft. Die Technik, Farben und Symbolik werden erklärt und durch ein Register der Muster ergänzt.

Kuratiert von:

Maria Schlumberger
Friedrich E. Rentschler
Die Neue Sammlung – Staatliches Museum für angewandte Kunst. Design in der Pinakothek der Moderne

Kooperationsparter:

ZKM, Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe – Museum für Neue Kunst

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