/ 
27. Oktober 2023

Begegnung. Japan zu Gast in Hochheim

3

min

Lesezeit

Ayaka Terajima. „Little three foot doki“ 2021. 17 x 20 x 14 cm. Unglasierte, engobierte Keramik; Takayoshi Terajima. Bracelet „TATAMI“ 2018. 11 x 11 x 7 cm. Tatami.
Foto: Takayoshi Terajima
Keramik von Ayaka Terajima und Schmuck von Takayoshi Terajima

Mit Ayaka Terajima und Takayoshi Terajima ist das Land der aufgehenden Sonne zu Gast in der oberhalb des Mains in einem alten Kelterhaus gelegenen Galerie von Rosemarie Jäger.
Die Keramiken von Ajaka Terajima und die Schmuck- und Metallarbeiten von Takayoshi Terajima zeigen das junge Künstlerpaar das erste Mal in einer gemeinsamen Ausstellung.

Keramik und Metall blicken in Japan auf eine jahrhundertealte Überlieferung und meisterhafte Tradition zurück. Mit der einen Ausnahme, dass Schmuck im westlichen Sinne, und wie wir ihn kennen, erst seit dem 20. Jahrhundert Einzug in den japanischen Kanon der Künste hielt. Wenn auch das Ausgangsmaterial der Keramikerin und des Schmuckkünstlers grundverschieden ist – da weich, dort hart – da mit Hilfe recyceltem Verpackungsmaterials, dort mit Tatamimatten – leben die Arbeiten von Ayaka und Takayoshi Terajima von dem Respekt vor der historischen Überlieferung und der Demut vor dem Handwerk übersetzt in eine moderne Sprache. Die Transformierung in die Gegenwart gelingt den beiden Absolvent*innen der Münchner Akademie der Bildenden Künste – fast möchte man sagen – spielerisch: Ihre Arbeiten strahlen wie kaum andere die Freude am Verbinden ihrer asiatisch-westlichen Lebenswelten und die große Freude am Tun aus. Die damit verbundene Auseinandersetzung mit und das Wandern zwischen den Welten ‒ zwischen Okzident und Orient, zwischen Tradition und Moderne ‒ ist nicht nur Ausgangspunkt und fester Bestandteil, sondern das ausschlaggebende Moment, welches die Arbeiten so einzigartig macht. Beiden gelingt es in fast beispielloser Art, sich – und damit auch uns – vollkommen neue Wege für die Keramik und den Schmuck zu erschließen.

“Ihre Arbeiten strahlen wie kaum andere die Freude am Verbinden ihrer asiatisch-westlichen Lebenswelten und die große Freude am Tun aus.”
Man sieht die Spitze eines alten Hauses mit weißer Fassade und braunen Fensterrahmen. Im Vordergrund der Fotografie befinden sich lila und weiße Blumen.

Grund genug erstmals einen Überblick des Werkes von Ayaka Terajima und des Werkes von Takayoshi Terajima zu zeigen, deren Arbeiten bereits den Weg in Museen und Privatsammlungen gefunden haben und mit Preisen geehrt wurden.

„Meine Gruppe unglasierter, zugleich aber über und über dekorierter keramischer Gefäße ist das Ergebnis einer Arbeitsweise, die ich in den letzten Jahren für mich entdeckt habe. Es handelt sich um die sehr reich dekorierte Keramik aus der Jōmon Periode (14000-1000 v. Chr.). Die Keramiken dieser Zeit gelten als die ältesten erhaltenen Japans. Unverwechselbare Reliefmuster sind ihnen zu eigen, die an Schnüre, Muscheln und Pflanzen erinnern. Die sehr häufig verwendeten seil- und fadenartigen Ornamente stellen Schlangen dar, universelle Symbole der Wiedergeburt. Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass die Ursprünge dieser Töpferware zum Sammeln und Aufbewahren von Regenwasser diente (Wasser vom Mond), dem eine liturgische Funktion beim Begräbnis zu kam, wenn um die Wiedergeburt der Verstorbenen gebetet wurde.“ (Ayaka Terajima)

Zur Info:
Japan verfügt über eine Handwerkstradition,
die von Generation zu Generation weitergegeben wurde. […] Durch zeitgenössische Ideen und Techniken, durch das Betrachten der Handwerkskunst mittels eines modernen Filters und unter vorsichtiger Berücksichtigung des Zeitgeistes können wir die Tradition wirklich bewahren. In diesem Sinne sehe ich meine Arbeit als neue Interpretation traditioneller Metallverarbeitungstechniken.“ (Takayoshi Terajima)