Veranstaltungszeitraum: In 12 Tagen Ort: München, Galerie Handwerk

Among Friends

Amerikanische und Deutsche Schmuckkünstler aus der Sammlung Helen Williams Drutt


Ausstellung/Ort:
Galerie Handwerk
Max-Joseph-Straße 4/Eingang Ottostraße,
80333 München
5. März – 11. April 2026


Seit 40 Jahren kommt die heute 95-jährige Schmuckliebhaberin Helen W. Drutt aus dem amerikanischen Philadelphia nach Deutschland, genauer gesagt nach München. Aus diesem Grund haben sich drei Münchner Institutionen dazu entschlossen – die Danner-Stiftung, Die Neue Sammlung und die Galerie Handwerk –, der Grande Dame des internationalen, zeitgenössischen Schmucks eine Ausstellung zu widmen.
Eine Hommage an Helen W. Drutt als Dank für ihre nunmehr Jahrzehnte andauernde Freundschaft mit der Stadt München und ihren Kulturinstitutionen, aber vor allem ihre Freundschaft mit den Künstlerinnen und Künstlern, die „Among Friends“ zu einer ganz besonderen Ausstellung werden lässt.

1930 geboren, avanciert Drutt in den 1960er-Jahren zur modernen, selbstbewussten Frau. Als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern wird sie zu einer der wegweisendsten Galeristinnen und Pädagoginnen des Landes. 1973 eröffnet sie in Philadelphia ihre erste eigene Galerie für Kunsthandwerk, die zudem auch die erste ihrer Art in Amerika ist. Man kennt und schätzt sie als gewissenhafte Chronistin und engagierte Sammlerin, die bereits Ende der 1980er Jahre gebeten wird, amerikanische und kanadische Künstler und Künstlerinnen für die SCHMUCK auf der Internationalen Handwerksmesse in München vorzuschlagen.
Seit nunmehr 60 Jahren ist sie eine leidenschaftliche Beobachterin und Sammlerin dieser Kunst ‚en miniatur‘, des zeitgenössischen Schmucks. Er wird ihr Mittel der Kommunikation und Diplomatie, um gesellschaftliche und politische wie soziale und religiöse Gegensätze mittels der Sprache von Kunst zu überwinden. Drutt wird zu einer charmanten, engagierten, selbstbewussten und einzigartigen Brückenbauerin, die Kontinente einander näherbringt.
Das Spektrum ihrer Sammlung schließt Arbeiten der bekanntesten, amerikanischen Schmuck-Künstler und -Künstlerinnen aus den späten 1960er Jahren genauso ein wie Arbeiten der jüngeren Generation an Goldschmieden und Goldschmiedinnen etwa von einer Melanie Bilenker, einem Aaron Decker oder Zachary Mellman-Carsey.
Der kuratierte Blick in die Sammlung Helen W. Drutts beschert uns mit insgesamt 240 Positionen, davon 140 Arbeiten Amerikanischer Schmuckkünstler, eine Lehrstunde US-amerikanischer Schmuckgeschichte – von der narrativen Position eines Ken Cory bis hin zu den bekannten Bildhauerinnen und Malerinnen Claire Falkenstein und Louise Nevelson. Albert Paley ist zu nennen, dessen innovative Broschen Bezüge zur Schmuckgeschichte enthalten, wie J. Fred Woell, der unedle Materialien und Industriefundstücke für seine Arbeiten entdeckte oder auch Thomas Gentille, dessen Werke unkonventionelle Materialien wie Eierschalen, Holz und Harz aufweisen. Es war John Paul Miller, der die Granulationstechnik in den USA einführte und half, sie dort populär zu machen.
Drutts Sammlung macht uns bekannt mit Eleanor Moty, deren Arbeiten ohne die hohe Kunst des Edelsteinschliffs von Tom Munsteiner aus Idar-Oberstein undenkbar wären. Raffinierte Gold-Silber-Oberflächen stammen von Toni Goessler-Snyder, geboren in Deutschland, doch in Europa fast gänzlich unbekannt. Wichtige Vertreter und Vertreterinnen der narrativen Welt kommen mit Kiff Slemmons, den Geschwistern Donald Paul und Merrily Tompkins, Keith Lewis, William Harper, Judy Onofrio, Laurie Hall und Robin Kranitzky & Kim Overstreet nach München. Ihre Arbeiten bestechen durch Fundstücke, Recyclingmaterialien, Glassteine und Kunststoffe aller Art, spiegeln und kommentieren gesellschaftliche wie politische Ereignisse. Diesen Werken stehen Arbeiten von Künstlern wie Jamie Bennett, William Harper, Sondra Sherman und Helen Shirk gegenüber, deren künstlerische und perfekt ausgeführte Werke klassische Metall- und Holzbearbeitungstechniken verwenden.
Dieser Reihe klangvollster US-amerikanischer Schmuckkünstler und -künstlerinnen stehen die nicht weniger bekannten deutschen Künstler und Künstlerinnen in Helen W. Drutts Sammlung mit ihren 97 Positionen in Nichts nach – darunter Hermann Jünger, Claus Bury, Manfred Bischoff, Helen Britton, David Bielander, Georg Dobler, Christiane Förster, Therese Hilbert, Mirjam Hiller, Otto Künzli, Falko Marx, Dorothea Prühl, Gerd Rothmann, Bettina Speckner oder Wolli The Kid (alias Wolfgang Lieglein).
Gesehen, bewundert, erworben, leidenschaftlich getragen – diese Werke zeugen von der glühenden Hingabe ihrer Besitzerin – ihre Vorliebe, sie zu tragen, ist ein zentraler Bestandteil ihres Wesens. Ganz im Sinne von „Among Friends“ bestimmt diese Hingabe auch die Wahl des Objekts: Kreationen von US-amerikanischen Schmucklegenden werden in München getragen und umgekehrt Werke deutscher Protagonisten in Philadelphia und New York –– spielerisches, neugieriges Dechiffrieren beim Betrachter immer voraussetzend.

Die Publikation wird dank einer außergewöhnlich großzügigen Unterstützung durch die Therese und Benno Danner’sche Kunstgewerbestiftung München ermöglicht und erscheint im Verlag arnoldsche Art Publishers, Stuttgart.
Das Grafikdesign lag erneut in den Händen von Ina Bauer, Stuttgart.

Sammlung (Auswahl):


  • Kuratiert von:

    Barbara Schmidt, Petra Hölscher

  • Eine Ausstellung der Galerie Handwerk in enger Kooperation mit der Neuen Sammlung – The Design Museum.