It’s a match!

100 Jahre Design & Technik

Die Neue Sammlung – The Design Museum und das Deutsche Museum feiern gemeinsam 100 Jahre Bestehen.

Die Sammlungen sind teilweise identisch, ihre Blicke auf Objekte unterschiedlich. Während das Deutsche Museum vorrangig aufgrund technischer Aspekte Exponate sammelt, hat für das Design Museum die Gestaltung einen höheren Stellenwert. Manche Objekte jedoch schreiben Kulturgeschichte und sind als solche in beiden Museen verortet.

„It’s a match“ spielt mit Gemeinsamkeiten, Unterschieden und assoziativen Momenten zwischen den Objekten. Seien Sie gespannt auf interessante Einblicke in die Sammlungsgeschichten der beiden bedeutenden Museen in München.

Handkonsole – Let’s play!

Gameboy in Grau mit schwarzem Kreuz und magentafarbenen Knöpfen auf lila-rosa verlaufendem Hintergrund.
Gameboy in Grau mit schwarzem Kreuz und magentafarbenen Knöpfen auf lila-rosa verlaufendem Hintergrund. Auf dem Bildschirm wird Tetris angezeigt.

Der 1989 in Japan erschienene Game Boy ist ein Kultobjekt. Seine kompakte Bauweise, lange Batterielaufzeit und der günstige Preis machten ihn besonders beliebt. Vor allem das Spiel Tetris trug maßgeblich dazu bei, dass sich der Game Boy und seine Nachfolger rund 120 Millionen Mal verkauften.

Die Idee von Gunpei Yokoi entwickelte sich trotz anfänglicher Skepsis gegenüber der einfachen Graustufengrafik zu einem großen Erfolg. Sowohl Die Neue Sammlung als auch das Deutsche Museum haben den Game Boy in ihrer Sammlung. Er ist die erste erfolgreichste Spielkonsole des 20. Jahrhunderts.

Form, Farbe, Chemie:
Glas als Werkstoff und in der Kunst

Schwarzer Werkzeugkasten mit gelben Objekten, die Maßeinheiten anzeigen. Es ist ein Schmuck-Objekt auf blau-gelb-verlaufendem Hintergrund.
Schwarzer Werkzeugkasten mit gelben Objekten, die Maßeinheiten anzeigen. Es ist ein Schmuck-Objekt auf blau-gelb-verlaufendem Hintergrund.

Sowohl das Deutsches Museum als auch Die Neue Sammlung sammeln zeitgenössischen Schmuck, der Motive aus Geschichte und Alltag aufgreift und ihnen neue Bedeutungen gibt.

Der Alltag kann Ausgangspunkt für künstlerische Arbeiten sein. Bei „Overruled“ setzt Kiff Slemmons Teile eines Meterstabs auf silberne Ringschienen, die sie in einem kleinen, aus Ebenholz gearbeiteten Werkzeugkasten präsentiert. Meterstab und Lineal rufen Assoziationen an das Handwerk und seine Genauigkeit hervor, wie auch die Wertschätzung der eigenen Arbeit.

Die Ketten von Glaskünstler Jan Hein van Stiphout bestehen aus Glasfragmenten von Aruba. Die Insel gehört heute zum Königreich der Niederlande und wurde 1636 im Zuge kolonialer Handelsaktivitäten von den Niederländern besetzt. Glas verkörpert für ihn Gegensätze – zerbrechlich und stark, schwer und transparent. Er verarbeitet die Fundstücke und macht so koloniale Geschichte und ihre Spannungen sichtbar und tragbar. Die manuelle Glasfertigung ist immaterielles Kulturerbe und zeigt neben der künstlerischen Kreativität höchste handwerkliche Präzision.

Heißgeformt für kaltes Bier

Bierflasche braun mit weißem Etikett auf rot-orangem Hintergrund.
Eisengebilde länglich zweimal gestaffelt auf rot-orangem Hintergrund.

Häufig mit Mönchen, Tieren oder Wappen geschmückt, stehen Bierflaschen in den Regalen des Einzelhandels. Markenbilder schaffen Wiedererkennung und erzählen von Herkunft und Tradition. Doch was geschieht, wenn man all das weglässt – wenn eine Flasche einfach nur „Bier“ heißt? Die bewusste Reduktion entzieht sich der Werbeflut und lenkt den Blick zurück auf das Wesentliche: Malz, Hopfen und Wasser. Oder, wie Johannes Schwaderer und Tom Tomczyk sagen: „Guter Geschmack braucht keinen Namen.“

Die heutige Markenvielfalt und die allgegenwärtige Glasflasche sind eng mit der Industrialisierung verbunden. Das Deutsches Museum veranschaulicht diese Entwicklung anhand von Objekten zur maschinellen Glasherstellung.

Die Vorteile der maschinellen Glasherstellung sind eine günstige und schnelle Massenproduktion mit geringen Kosten. Das besondere an dem Enghals-Pressblasverfahren ist die hohe Präzision. Es zeigt eine Schlüsseltechnik in der maschinellen Glasherstellung, die bis heute genutzt wird und dokumentiert eindrucksvoll den technischen Fortschritt von der manuellen Glasfertigung an der Lampe bis zum industriellen Massenverfahren.

Sternenbilder

Sternförmiger, silberner Motor in frontaler Ansicht auf rotem Hintergrund.
Sternförmiger, silberner Motor in seitlicher Ansicht auf rotem Hintergrund.

Der Sternmotor ist 1930 so wichtig für die Motorfliegerei, dass sowohl die Neue Sammlung als auch das Deutsche Museum Objekte in ihren Sammlungen haben:

An der Spitze der Entwicklung stand die amerikanische Firma Pratt & Whitney, die ab 1925 leistungsfähige neunzylindrige Sternmotoren konstruierte. 1928 besuchte der damalige Generaldirektor der BMW die Firma in den USA und leitete den Lizenzerwerb für die beiden Motorentypen „Hornet“ (Deutsches Museum) und „Wasp“ (Die Neue Sammlung) ein.

BMW entwickelte auf Grundlage dieser Motoren die BMW-132-Reihe, die als erfolgreiche Serienversion in Flugzeugen wie beispielsweise der „JU 52“ eingebaut wurde. Pratt & Whitney Hornet-Motoren waren neben den Wright-Cyclone-Motoren die am weitest verbreiteten Sternmotoren mit hohen Produktionszahlen.

Dass diese Sternmotoren neben ihren technischen Qualitäten auch hohen ästhetischen Reiz besaßen, zeigt ihre frühe Aufnahme in eine Publikation zu dem Thema „Art and the Machine Age“ von 1936.

Auf den zweiten Blick

Eine muschelförmiges Keramik in sandbraunen Farbtönen, das sich durch abgerundete Formen vor einem Hintergrund mit einem Farbverlauf von Blau nach Gelb auszeichnet.
Muschel in rosa-braun mit einer Öffnung am spitzen Ende auf blau-gelb-verlaufendem Hintergrund.

Auf den ersten Blick wirken beide Objekte wie Muscheln, die jemand gesammelt oder gefunden hat. Doch ein zweiter Blick lohnt sich:

Das Objekt in der Sammlung von die Neue Sammlung heißt “Spiegel“. Beate Kuhn hat das braun und blau glasierte Objekt 1971 gefertigt. Aus den runden Scheiben bildet sie eine Skulptur von 21,5 cm Höhe. Die deutsche Keramikerin nimmt gerne aus der Natur Anregungen und setzt sich mit Bewegung wie auch Rhythmus auseinander. Auch diese Arbeit erweckt Assoziationen an Unterwasserwelten und Meerespflanzen. Die gestapelten Schalen scheinen sich zu bewegen.

Die Muschel im Deutschen Museum ist ein aus Japan stammendes Musikinstrument. Es ist aus dem Gehäuse der Meeresschnecke Charonia tritonis gefertigt. Verwendet wird es bis heute vor allem von buddhistischen Mönchen, die es als Signalinstrument und in Riten zur Anrufung der Götter einsetzen. Jede Schule hat dabei ihre eigenen Melodien, die aus bis zu fünf Tönen bestehen können. Der Name „Horagai“ setzt sich aus „ho“ – buddhistisches Gesetz, „ra“ – große Muschel und „rai“ – Gehäuse zusammen.

Glanzstücke aus Glas

Blaue Scheibe mit schwarzem Quadrat unten auf lila-rot-verlaufendem Hintergrund.
Weiß-schimmernder Rock auf lila-rot-verlaufendem Hintergrund.

1893 entstand für die World’s Columbian Exposition ein spektakuläres Kleid aus Glasfasern. Der Glasbläser Hermann Hammesfahr fertigte es im Auftrag der Libbey Glass Company. Feinste, über der Flamme gezogene Glasfäden wurden mit Seide verwoben – ein aufwendiger Prozess von rund 30 Arbeitsstunden allein für den Stoff. Das schimmernde Gewand begeisterte sogar Prinzessin María Eulalia von Spanien und gelangte durch sie 1924 in die Sammlung des Deutsches Museum.

Die Neue Sammlung sammelt keine Mode. In den 1930er Jahren setzt das „Nocturne“-Radio aus Glas jedoch einen ähnlichen Akzent. Entworfen von Industriedesigner Walter Dorwin Teagueg verbindet es dunkles Glas und Chrom zu einer klaren, kreisrunden Form. Die Technik tritt hinter verspiegeltem Glas zurück – sichtbar wird vor allem die elegante Inszenierung.

Schneller, besser…leichter!

Schwarzer Rennrollstuhl mit „BMW“-Schriftzug.
Altes Auto schwarz ähnlich einer Kutsche auf rosa-gelb-verlaufendem Hintergrund.

Das Baker Elektroautomobil im Deutschen Museum gehörte zu den beliebtesten Elektrowagen um 1900. Die US-amerikanische Firma Baker Motor Vehicle Co. produzierte mit der Firma Rauch and Lang Carriage Co. von 1899 bis 1916 leichte Elektrowagen, die von einem General-Electric-Gleichstrom-Hauptschlussmotor angetrieben wurden und ihren Strom über je zwei Batterien im Bug und Heck bezog. Gebremst wurde der Wagen mit max. 20 km/h über zwei Backenbremen auf den Hinterrädern. Statt eines Lenkrads fand sich ein ausklappbarer Steuerhebel. Einfache Technik und Bedienung, Geräuscharmut und Abgasfreiheit machten das Fahrzeug beliebt.

Dem gegenüber steht ein Unikat: Die nordamerikanischen Leistungssportler*innen haben mit dem Handbike in der Neuen Sammlung vier Gold-, zwei Silber- und eine Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Rio der Janeiro gewonnen. Das preisgekrönte Designobjekt ist von BMW Design Works mit dem paralympischen Rennteam der USA entwickelt worden. Der Automobilhändler war 2016 Sponsor der Spiele, doch wollte er auch aktiv fördern. Denn die Ausrüstung der Sportler*innen ist gerade bei den Paralympics ausschlaggebend, doch sind sie im Vergleich zu ihren olympischen Kolleg*innen unterfinanziert. Das Material des Rennrollstuhls ist ‚Karbon‘ und daher besonders leicht wie auch stabil.

Der angebissene Apfel

Blau-grauer Computer mit Tastatur auf blau-grünem Hintergrund.
Würfelförmiger Computer mit Tastaturen im Vordergrund und links ein Diskettenlaufwerk.

Noch heute sind die Produkte von Apple beliebt und haben sich rasant weiterentwickelt:

Für damalige 2.495 US-Dollar konnte man ab 1984 den ersten MacIntosh 128K (Deutsches Museum) erwerben! Er gehörte zu den ersten Computern, die für ein breites Publikum intuitiv bedienbar waren. Während Computer zuvor über komplizierte Texteingaben gesteuert werden mussten, ermöglichte der MacIntosh die Bedienung über Maus und Bildschirm-Symbole auch für Nutzer*innen ohne Vorkenntnisse.

Weg von seinem einfarbigen, kantigen Design schaffte Apple 1998 den iMac G3 (Die Neue Sammlung). Sein rundliches, farbig-transparentes Gehäuse setzte mit der ersten Farbe „Bondi Blue“ ein bewusstes Design-Statement. Es sprach neue Zielgruppen an, ermöglichte dank All-in-One-Design weniger Kabel und Einblicke ins Innenleben und trug mit 6 Millionen verkauften Geräten dazu bei, Apple vor rückläufigen Verkaufszahlen zu retten.

Sitzmöbel aus einem Guss

Beiger Sessel aus dünnem Material auf blau-verlaufendem Hintergrund.
Roter Hocker auf blau-verlaufendem Hintergrund.

Der „Hemp Chair“ (2011/2012) von Werner Aisslinger, Teil der Neuen Sammlung, zeigt ein wichtiges Thema unserer Zeit: Nachhaltigkeit. Gepresste Hanf- und Kenaffasern, verbunden durch ein ökologisches Bindemittel, formen Stuhl und Material zu einer Einheit. Der Stuhl macht bewusst, wie Form und Material nachhaltig zusammen gedacht werden müssen.

Ein markantes Beispiel ist die Sitzgruppe „Auberge“ (1971) in der Sammlung des Deutschen Museums von Designer Günter Beltzig, der zusammen mit seinen Brüdern für die Kunststofffirma Beltzig Design Spiel- und Sitzmöbel entwarf. Tisch und Sitzgelegenheiten verschmelzen in fließenden Linien zu einer Einheit. Dank des robusten Kunststoffs eignet sich die Gruppe sowohl für Innen- als auch für Außenräume.

Fahrräder zum praktischen Transport

Grünes Fahrrad mit weißem Gepäckträger, schwarzem Sattel und kleinen Rädern auf rot-gelbem Hintergrund.
Rotes Fahrrad mit kleinen Rädern und schwarzem Koffer auf rot-gelbem Hintergrund.


Der britische Ingenieur Alex Moulton hatte aufgrund der von der Suez­krise 1957 ausgelösten Benzinrationierung die Idee zu einem kompakten Fahrrad. Das „Moulton Stowaway GR“ von 1962 hatte einige technische Innovationen, doch brach es vor allem mit allen Vorstellungen des traditionellen Fahrraddesigns: Das Fahrrad ist komplett zerlegbar und steckbar – es findet also eine andere Lösung als die klapp- oder faltbaren Fahrräder.

Das Hercules-Klapprad im Deutschen Museum ist ein besonders kleines Klapprad, das in einem speziellen Autokoffer Platz findet. Es war als Campingzubehör gedacht und versinnbildlicht die Anpassung des Fahrrads an die Bedürfnisse Autofahrender in den 1970er Jahren. Sogar die Pedale waren faltbar. Doch verglichen mit heutigen Falträdern, war das Auto-Velo wenig funktional und unkomfortabel. Ohne Gangschaltung eignete sich das Fahrrad am besten für kurze Wege auf ebener Strecke.

Vom Labor in die Küche

Glaskanne mit Deckel auf blau-grün-verlaufendem Hintergrund.
Glasgebilde wie Tautropfen auf blau-grün-verlaufendem Hintergrund.

Im Labor ist Glas ein unverzichtbares Arbeitsmaterial – etwa in Form der Glasretorte. Diese stand sinnbildlich für künstlich hergestellte Stoffe und die stofflichen Veränderungen, die der Mensch an natürlichen Rohstoffen durchführt. Obwohl die Retorte schon früh diesen ikonenhaften Status innehatte und für viele Jahrhunderte in Alchemie und Chemie in Benutzung war, ist sie seit Anfang des 20. Jahrhunderts in keinem Labor mehr zu finden. Für die technikhistorische Sammlung des Deutschen Museums sind Retorten sowohl als historisches Laborgerät als auch als Wahrzeichen der frühen Chemie interessant.

Im 20. Jahrhundert wurde Glas zum selbstverständlichen Bestandteil der Tischkultur. Die deutsche Industriedesignerin Ilse Decho prägte diese Entwicklung maßgeblich. Ihre hitzebeständige Teekanne (Die Neue Sammlung) – selbst das Teesieb bestand aus Glas – machte das Material sichtbar und alltagstauglich. Der Tee wurde nicht mehr umgefüllt, sondern direkt im Glasgefäß serviert.

La Dolce Vita

Grün-graue Vespa vor rosa-orange-verlaufendem Hintergrund.
Rote Vespa vor rosa-orange-verlaufendem Hintergrund.

Die Vespa ist Ausdruck eines Lebensgefühls und als solches ein allseits bekanntes Kultobjekt.
Sie wurde unter Enrico Piaggio entworfen, um in der Nachkriegszeit ein preisgünstiges Transportmittel zu bieten.

Die erste Vespa V 98 wies zwar bereits die aus dem Flugzeugbau stammenden technischen Neuerungen auf, aber erst das Nachfolgemodell Vespa 125 wurde 1945 durch die überarbeitete Karosserie und weitere Neuerungen zum Designklassiker (in Die Neue Sammlung). Berühmt wurde dieses Model auch durch den Film “Roman Holiday” mit Audrey Hepburn.

Die Vespa PX 200 E Lusso (Deutsches Museum) von 1986 war eine leistungsstarke Variante der „neuen Generation“ des Kultrollers. Die Vespa wurde größer und kantiger. Sie erhielt integrierte Fahrtrichtungsanzeiger, die an der Front an den Seitenrändern des Beinschilds befestigt waren. Auch der Motor wurde größer: mit 200 ccm konnten Höchstgeschwindigkeiten von 100 km/h erreicht werden.

  • Projektleitung:

    Frauke Maria Petry, Die Neue Sammlung
    Bernadette Mischka, Deutsches Museum

  • Team:

    Julia Maier, Die Neue Sammlung
    Elian Büchtemann, Deutsches Museum

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