Veranstaltungszeitraum: 26.02.2026 – 29.03.2026

STAY

Textile Sitzobjekte
Ausstellungssansicht “Stay“, Die Neue Sammlung – The Design Museum
Foto: Die Neue Sammlung, Jasmin Minne

Über die Ausstellung
Sitzen ist eine alltägliche Handlung – und zugleich ein kultureller Akt. Sitzmöbel strukturieren Räume, prägen Haltungen, laden zum Verweilen ein oder signalisieren Distanz. Die Ausstellung „STAY – Textile Sitzobjekte“ widmet sich dem Sitzen und zeigt experimentelle Entwürfe von Studierenden des Studiengangs Design textiler Produkte an der Kunsthochschule Kassel unter der Leitung von Prof. Ayzit Bostan.

Im Zentrum des Projekts steht die textile Sitzfläche als eigenständiges Gestaltungselement. Textile Materialien besitzen besondere Qualitäten: Sie reagieren auf Körper und Bewegung, erzeugen Atmosphäre, vermitteln Nähe, Komfort oder Spannung. Über ihre reine Funktion hinaus können sie emotionale, räumliche und ästhetische Wirkungen entfalten. Diese Potenziale bilden den Ausgangspunkt der Entwurfsarbeit.
 
Die Studierenden setzen sich intensiv mit historischen und zeitgenössischen Sitzmöbeln aus dem Bestand der Neuen Sammlung auseinander. Diese Objekte dienen nicht als Vorbilder im klassischen Sinn, sondern als Referenzen und Impulsgeber für eigene Fragestellungen. Welche Rolle spielt Material im Verhältnis zum Körper? Wie verändern Konstruktion, Oberfläche und Textiltechnik die Wahrnehmung des Sitzens? Und wie lassen sich neue Formen des Gebrauchs denken?
 
Der Entwurfsprozess umfasst Material- und Technikrecherchen, konzeptionelle Experimente sowie die Entwicklung und Umsetzung der Prototypen. Dabei entstanden Sitzobjekte aus verschiedenen Materialien wie Filz, Leder und Metall.
 
STAY präsentiert diese Arbeiten im X-D-E-P-O-T als Momentaufnahme eines offenen Gestaltungsprozesses. Die Ausstellung macht sichtbar, wie junge Designer:innen mit Neugier, Präzision und Experimentierfreude die Beziehung zwischen Körper, Material und Raum neu verhandeln – und zeigt Sitzen als etwas, das weit über das bloße Platznehmen hinausgeht.
 
Für die Neue Sammlung sind regelmäßige Kooperationen mit Ausbildungsinstitutionen
wie Hochschulen von zentraler Bedeutung. Denn Die Neue Sammlung möchte den Diskurs über aktuelle Fragestellungen und Inhalte mit Studierenden auch in der Praxis fördern und der Museumsöffentlichkeit zugänglich machen.
 
Ayzit Bostan ist Designerin und Künstlerin und lebt in München. Seit 2012 ist sie Professorin für Design textiler Produkte an der Kunsthochschule Kassel. 2023 erhielt Ayzit Bostan den Designpreis der Landeshauptstadt München.

Studierende:
Helena Bals, Zoe Debik, Matilda Elisabeth Grams, Tim Felix Kostka, Tatjana Kovbasa, Felix Leiffer, Indira Maruki , Carolina Moisei, Silas Vogler, Linjun Zeng

Entwürfe & Prototypen

Der Audio-Walk durch die Ausstellung

Mikado

Sessel mit Rahmen aus Edelstahlrohren der von Stahlseilen gehalten wird. Die Sitzfläche ist Netz aus Kunststoff.
Matilda Elisabeth Grams. MIKADO, 2026. Material: Edelstahl, Polyamid.
Foto: Fabian Frinzel

MIKADO überträgt architektonische und skulpturale Gestaltungsansätze in ein wohnliches Möbelstück. Die Tensegrity-Struktur aus fünf Edelstahlrohren und Drahtseilen schafft Stabilität allein durch Spannung. Der Sessel mit einer textilen Netzstruktur erscheint leicht, minimalistisch und schwebend.  Durch einen Klappmechanismus lässt sich der Entwurf für den Transport vollständig flach zusammenlegen und wird zu einem nahezu zweidimensionalen Objekt.

Transit

Aus verschiedenfarbigen Taschen mit Tragegriffen zusammengesetztes Sofa.
Silas Vogler. TRANSIT, 2026. Schaumstoff-Polster (PU Schaum), verschiedene textile Bezüge.
Foto: Fabian Frinzel

Das Objekt TRANSIT übersetzt informelle Reisemomente in eine gestaltete Sitzgelegenheit: das Sitzen auf dem Koffer, das Ausruhen im Warten. Modular aufgebaut, bewegt es sich zwischen Mobilität und Ruhe und reflektiert die Beziehung von Körper, Gepäck und Übergang.

Second Jump

Hocker mit hell bezogener Sitzfläche mit rot lackiertem Fuß in Form einer Stahlfeder.
Felix Leiffer. SECOND JUMP, 2026. Material: Stahlfeder, süddeutsche Merinowolle, Holz, Schaumstoff.
Foto: Fabian Frinzel

Die Kleinstserie SECOND JUMP widmet sich dem Thema Materialkreislauf und Ressourcenschonung. Eine gebrauchte Spielplatz-Spiralfeder trifft auf eine Sitzfläche aus regionaler Merinowolle. Zwei gegensätzliche Materialien verbinden sich zu einer neuen Einheit. 
Die Schafwolle, häufig ein Abfallprodukt, bekommt in diesem Entwurf mit Hilfe der Nassfilztechnik eine neue Verwendung. Ihre positiven Eigenschaften – Wärme, Dämpfung und Textur – werden sichtbar gemacht. Die integrierte Schwungfeder erlaubt ein leichtes Schwingen bei gleichzeitig hoher Stabilität. Bewegung wird Teil der Sitzhaltung.

Farfalla

Blaues Sitzkissen das in der Mitte von einer Spange aus Metall gehalten wird.
Helena Bals. FARFALLA, 2026. Material: 100% Ocean Bound Polyester, BioFoam Perlen, Edelstahl.
Foto: Fabian Frinzel

FARFALLA interpretiert das Sitzkissen neu. Ein vergrößerter Armreif wird vom Schmuckobjekt zum konstruktiven Element und verbindet Kissen und Beistelltisch. Die ringförmige Struktur erzeugt eine Ablagefläche und Spannung zugleich – eine kontrollierte Quetschung formt Volumen und Silhouette. Das Element bleibt beweglich. Nutzung entsteht situativ: allein, zu zweit und flexibel im Raum. 

Pärle

Sitzmöbel aus mehren kissenförmigen in silber, blau und orangfarbigen Elementen.
Zoë Debik. PÄRLE, 2026. Material: Ripstop, Baumwollgewebe, EPS Perlen, Drahtseil.
Foto: Fabian Frinzel

Der Prototyp PÄRLE stellt eine skalierte Perlenkette dar, bei der sich die aneinandergereihten Polster flexibel an den Körper anpassen. Sitzfläche und Nutzer*in treten in einen natürlichen Dialog. Es ist ein lebendiges Möbelstück, das Sitzen nicht statisch denkt.

Lametta

Hocker mit nach unten gewölbter grauer Sitzfläche und zwei Füßen mit rosa Fransen.
Indira Marukić. LAMETTA, 2026. Material: Lammnappa, Holz, PLA.
Foto: Fabian Frinzel

Der Hocker LAMETTA ist eine Hommage an römische Gestaltungselemente und greift auf reduzierte Weise die geschwungenen Formen römischer Stühle auf. Die mit dichten Lederfransen ausgekleideten Beine sind eine Referenz zu den mit Pferdehaar geschmückten römischen Helmen und ergänzen verspielt die Leichtigkeit der Sitzfläche. LAMETTA kann als Hocker oder als stummer Diener genutzt werden und erinnert an das Bewahren von kulturellem Erbe. 

Overred

Rotes Sitzkissen aus Wolle und Wollfilz.
Carolina Moisei. OVERRED, 2026. Material: Eigengut® 100 % Wolle, Wollfilz.
Foto: Fabian Frinzel

Das textile Objekt OVERRED ist als experimentelles Objekt konzipiert und basiert auf dem Verschmelzen zweier unterschiedlicher geometrischer Formen. Es untersucht die Beziehungen von Form, Körper und Funktion. Ohne ergonomische Vorgaben bleibt die Nutzung offen. Volumen, Kanten und Materialverhalten reagieren auf den Körper und fordern körperliche Auseinandersetzung. Funktion und Bedeutung entstehen erst im Moment des Gebrauchs.

Sitzmöbel mit einem Überwurf aus blauem Stoff der von einer Kordel zwischen Lehne und Sitzfläche zusammengehalten wird.
Linjun Zeng. Dé, 2026. 100% Wolle, Polypropylen.
Foto: Fabian Frinzel

Dé – Drapé für einen Stuhl. Durch Drapierung des Wollstoffs werden die harten, industriellen Linien durch eine weichere, körpernahe Silhouette ersetzt. Der Stuhl erhält Volumen, Gewicht und Präsenz. Die Wolle bringt Wärme, Haptik und Nähe zugleich. Ausgehend von der Schnittstelle zwischen Handwerk und Industriedesign hinterfragt Dé den Status des Massenprodukts. Die textile Hülle fungiert als Schutz, Oberfläche und Identitätsmarker für einen Standardstuhl.

Opora

Sessel mit Gestell aus runden Metallrohren und kreisförmiger Sitzfläche mit einem grünen Wollsitzkissen.
Tatjana Kovbasa. OPORA, 2026. Material: Wolle, Edelstahl, Schaumstoff.
Foto: Fabian Frinzel

OPORA ist ein Hocker mit klarer, tragender Struktur. Seine Form zitiert das Gestell des AEG-Heißwasserkessels Nr. 60h und überführt ein historisches Industrieobjekt in einen zeitgenössischen Kontext. Gebogene Edelstahlbögen tragen die textile Sitzfläche und fungieren zugleich als Griffe. Konstruktion und Nutzung fallen zusammen. Die reduzierte Linienführung betont den industriellen Charakter.

L1 Lounge Chair

Lounge-Sessel mit einem Edelstahlgestell und einer Sitzfläche aus schwarzem geflochtenem Nylongurtband.
Tim Felix Kostka. L1 Lounge Chair, 2026. Material: Edelstahl und Nylon Gurtband, handgeflochten.
Foto: Fabian Frinzel

Der L1 Lounge Chair untersucht die Beziehung zwischen Masse und Leichtigkeit. Schwere Materialität verbindet sich mit eleganten Formen. Präzise gesetzte Verbindungspunkte reduzieren den Materialeinsatz auf das Wesentliche und stehen für einen nachhaltigen, ressourcenschonenden Ansatz. Die austauschbare Textilsitzfläche fungiert als modulares Element und erlaubt Anpassungen an Farben, Texturen und individuelle Nutzungskontexte.

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  • Kuratiert von:

    Polina Gedova, Angelika Nollert